Neue Visionen vom Berlin der Zukunft

Internationaler Städtebauliche Ideenwettbewerb zur Zukunft der Metropolregion Berlin-Brandenburg

Zwischen Todesstern und Bauernhof – in diesem Spektrum bewegen sich die fünf Gewinner-Entwürfe eines Internationalen Städtebaulichen Ideenwettbewerbs zur Zukunft der Metropolregion Berlin-Brandenburg.

Das Grün als verbindendes Element zwischen Berlin und das diese Stadt umgebende Brandenburg. Erschlossen durch einen dritten Bahnring, der mittels einer Hochbahn Querverbindungen etwa nach Schwedt, Bernau oder gar das polnische Stettin nicht nur zulässt, sondern sogar fördert. So in etwas sieht es der Siegerentwurf des Internationalen Städtebaulichen Wettbewerbs Berlin-Brandenburg 2070, für den 55 Arbeiten aus aller Welt eingereicht wurden, aus denen wiederum 18 Entwürfe in die Endrunde kamen.

Drei Formate

Anlass des Wettbewerbs ist, dass das große Berlin, wie wir es heute kennen, in diesem Jahr auf eine einhundertjährige Geschichte zurückblicken kann. Dieses Jubiläum bot die einzigartige Chance zu fragen: Was sind die Stärken und Schwächen dieser Metropole, und wie kann sie in eine nachhaltige Zukunft geführt werden? Der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin hat die Initiative für ein Jubiläumsprogramm ergriffen, das diese Fragen nicht nur aufwirft, sondern Antworten zur Diskussion stellt – Vorschläge von politischer, zivilgesellschaftlicher, wirtschaftlicher und fachlicher Seite.

Den Rahmen dafür setzen drei Formate: die „Städtebauliche Metropolengespräche“, eine große Ausstellung „Unvollendete Metropole. 100 Jahre Städtebau für Groß-Berlin“ (beide ab Oktober) sowie der schon erwähnte „Internationale Städtebauliche Wettbewerb Berlin- Brandenburg 2070“. Der mit 70.000 Euro dotierte erste Preis ging an die Arbeit „Zusammenwachsen – Landschaf(f)tStadt“ der Bernd Albers Gesellschaft von Architekten mbH, der Vogt Landschaft GmbH und Arup Deutschland GmbH aus Berlin und Potsdam.

Bernd Albers, der sich – natürlich – über den ersten Rang freute, erklärte die Bedeutung des dritten Bahnrings: „Wir machen den Vorschlag, dass das Autobahnnetz nicht abgerissen wird, aber an Bedeutung verlieren sollte durch die Schaffung eines dritten Rings, der sich nicht auf Berlin fixiert, sondern auf Nachbarorte.“ Während sich andere Metropolen Mühe geben müssten, Grün in Stadtnähe zu bekommen, sei das Grüne das Verbindende von Berlin und Brandenburg.

Neue Siedlungen

Auch der mit dem zweiten Preis gewürdigte Entwurf „Stadtlandschaft Brandenburg-Berlin 2070 – Kontur einer Übergangsgesellschaft“ bezieht das Berliner Umland ausdrücklich mit ein. Der Grundgedanke ist, dass eine zukunftsfähige Metropole nur aus der Landschaft heraus entwickelt werden kann. Dabei wird Landschaft nicht als reine Natur verstanden. Sie ist geprägt durch Landwirtschaft, Dörfer, neue Siedlungen sowie Infrastrukturen. Diese würden in der „Übergangsgesellschaft“ an den Rändern der Stadt neu gestaltet.

Einen sehr futuristischen Ansatz wählte der spanische Architekt und Städteplaner Pedro Pitarch mit seinem „Archipel – Labor: Ein Atlas von urbanen Inseln für Berlin“, der dafür den fünften Platz zuerkannt bekam. „Anstelle großer Verkehrsknotenpunkte werden zahlreiche kleine Wirkungszentren vorgestellt, die in dieser Grammatik als selbstständige Module funktionieren sollen“, deutete die Jury den anspruchsvollen und komplizierten Entwurf. So erinnert seine Vision vom ehemaligen Flughafenareal in Tegel eher an Utopia, in dem der aus der Star-Wars-Saga bekannte Todesstern (siehe Visualisierung) eine neue Heimat gefunden hat.

Ausstellung zeigt alle Entwürfe 

Alle Ergebnisse des Wettbewerbs werden von Oktober bis Dezember im Kronprinzenpalais in Mitte, Unter den Linden 3, der Öffentlichkeit vorgestellt. In diesem Zusammenhang erinnerte Stadtplaner und Kurator Harald Bodenstei an 1920, als sieben Städte, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke fusionierten. Damals leisteten viele Umlandgemeinden Widerstand. „Es schütze uns des Kaisers Hand vor Groß-Berlin und Zweckverband“, wird der Spandauer Stadtrat Emil Müller zitiert. Das Konfliktpotenzial scheint heute ebenso groß zu sein.

Datum: 23. Juli 2020, Text: Manfred Wolf, Visualisierung: AIV – Internationaler Städtebaulicher Ideenwettbewerb Berlin-Brandenburg 2070./Pedro Pitarch