Berlin-Reinickendorf: Verzögerung bei Verkehrsprojekten

U-Bahn-Schild

Geplante Sanierungen von A111, U6 und S25 finden nicht zeitgleich statt.

Eine gute Nachricht vorab: Die ursprünglich ab 2021 geplanten Sanierungen der A111, U6 und S25 werden nicht zeitgleich stattfinden. Ein jahrelanges Verkehrschaos bleibt wohl aus. Dies ergab eine Anfrage des Reinickendorfer Abgeordneten Tim-Christopher Zeelen (CDU) an den Senat. Doch es gibt auch Neuigkeiten, die für Unmut sorgen könnten. So verschiebt sich demnach der Sanierungsbeginn für die A111 um zwei Jahre auf 2023. Dabei sagen die Prognosen schon jetzt einen weiteren Anstieg der Verkehrsbelastung voraus. So wird beispielsweise bis zum Jahr 2030 für den Streckenabschnitt zwischen den Auffahrten Waidmannsluster Damm und Holzhauser Straße ein Zuwachs von 81.900 auf 87.700 Kraftfahrzeuge je 24 Stunden an Werktagen prognostiziert. Ein Anstieg von über sieben Prozent.

Die Planungen für die Sanierung erfolgen auf den Verkehrsprognosen für 2030, die allerdings dann schon überholt sein könnten. „Berlin ist eine wachsende Stadt mit wachsendem Verkehr. Mit immer mehr Menschen im Speckgürtel kommen auch immer mehr Pendler aus Brandenburg nach Berlin. Die A111 ist ein wichtiges Einfahrtstor für den Güterverkehr, der von den großen Seehäfen aus Hamburg oder Bremen aber auch aus ganz Nordeuropa zu uns kommt.

Gestiegene Kosten

Und auch der Fernbus-Markt boomt seit einigen Jahren. Die ständigen Verzögerungen und die wiederkehrenden Sperrungen für reine Flickschusterei sind eine Zumutung“, findet Zeelen. Er fordert, dass der Senat dem A111-Projekt endlich die notwendige Priorität einräumt und die Planungen mit der gebotenen Weitsicht abschließt. Mit den Jahren hat sich nicht nur der Zeitplan verschoben, auch die Kosten sind gestiegen: von ursprünglich geschätzten 750 Millionen Euro auf 870 Millionen Euro.

Langsame Planungen bei den Bahnen

Auch der Ausbau der U- und S-Bahn in Reinickendorf verzögert sich weiter. Für die U6 wurden zusätzliche Auflagen im Hinblick auf Denkmalschutz- sowie Umweltbelange erteilt. Derzeit läuft ein entsprechendes Planfeststellungsverfahren. Im Hinblick auf eine Vermeidung einer parallelen Sperrung der U6 und der S25 ist ein Baustart der U6-Dammsanierung frühestens Ende 2021 vorgesehen – statt ursprünglich 2020. Der U-Bahnhof Borsigwerke wird demnach auch erst 2022/23 barrierefrei ausgebaut. Der Zugang zum Bürgeramt, zum Polizeiabschnitt 11 und zu den Hallen am Borsigturm bleibt mobilitätseingeschränkten Menschen weiter unmöglich. Und auch der zweigleisige Ausbau der S25 wird nicht, wie ursprünglich geplant, im Jahr 2026 abgeschlossen sein.

Datum: 16. Juli 2020, Text: red, Bild:Bild: Imago Images/Jürgen Ritter