So viel Fahrrad war noch nie in Berlin

Senat investiert bis 2021 mehr als 200 Millionen Euro in Infrastruktur.

Ein Radweg auf Zeit – eine sogenannte PopUp-Bike-Lane – entsteht derzeit auf der Blaschkoallee. Diese temporäre Radinfrastruktur entsteht auf deren südlichen Fahrseite zwischen Britzer Damm und Buschkrugallee, auf der nördlichen Straßenseite zwischen Riesestraße und Britzer Damm. Auf 1.450 Meter Länge wird auf diese Weise eine Möglichkeit geschaffen, nun auch in Britz sicher Fahrrad zu fahren.

Ausgewählte Projekte

Dieses jüngste Beispiel aus Neukölln zeigt, dass der Radverkehr einen neuen Stellenwert innerhalb der Mobilitätspolitik des Berliner Senats eingenommen hat. Der jüngste Bericht von Verkehrssenatorin Regine Günther an das Abgeordnetenhaus zeigt die Fortschritte im Bereich Radinfrastruktur – von den zehn fertiggestellten Machbarkeitsstudien für 100 Kilometer Radschnellverbindungen über neue Protected Bikelanes, Pop-Up-Radfahrstreifen und Grünbeschichtungen bis hin zur Sicherheitsverbesserung an Knotenpunkten und zu ausgewählten Bezirksprojekten von insgesamt rund 700 Vorhaben. Für die Radinfrastruktur stehen umfangreiche Mittel sowohl direkt im Haushalt (2020: 31,4, 2021: 32,8 Millionen Euro) als auch über das Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt (SIWANA) mit zusätzlichen 96 Millionen Euro zur Verfügung.

Mehr Radler auf den Straßen unterwegs

Zudem wurden im Zuge der Corona-Pandemie neue Erfordernisse an die Flächenaufteilung des Straßenraums deutlich. Das belegen auch die aktuellen Ergebnisse der Zählstationen des Senats. So wurden in der Frankfurter Allee in Friedrichshain seit Januar 21,4 Prozent mehr Radfahrer gezählt, als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres. In der Alberichstraße in Biesdorf wurde sogar ein Zuwachs von 24,8 Prozent gemessen. Doch bei der bislang verborgenen Zählung soll es nicht bleiben, kündigte Verkehrssenatorin Günther an. „Wir wollen das Netz der Messstellen durch Zählstationen ergänzen, die man gut sehen kann.“ Herzstück sind Digitalanzeigen, die jedes Mal umspringen, wenn ein Radfahrer vorbeifährt. „So wird jeder Interessierte verfolgen können, in welchem Maße ein Straßenabschnitt von Radfahrern genutzt wird“, so die Senatorin. „Wir wollen an den Stationen auch die Möglichkeit einrichten, Reifen aufzupumpen. Solche Serviceeinrichtungen gibt es bereits in anderen Städten, zum Beispiel in Brüssel.“

Mehr Dauerhaftes

Etwas mehr als drei Jahre nach ihrem Amtsantritt Ende 2016 hat Senatorin Günther Bilanz gezogen. Dazu gehört, dass durch Umwandlung und provisorische Markierung des rechten Fahrstreifens mehrspuriger Fahrbahnen seit Ausbruch der Corona-Pandemie innerhalb weniger Wochen rund 25 Kilometer geschützte Radverkehrsanlagen auf Hauptverkehrsstraßen realisiert werden konnten. In diesem Jahr werden an 15 Stellen weitere dauerhafte Protected Bikelanes geplant, hieß es. Dazu zählen die Märkische Allee in Marzahn-Hellersdorf, die Danziger Straße in Prenzlauer Berg, Alt-Friedrichsfelde in Lichtenberg und die Stromstraße in Moabit. Für das kommende Jahr stehen neun Projekte auf der Liste.

Weitere Projekte in Planung

Als die rot-rot-grüne Koalition Ende 2016 antrat, habe es für den Radverkehr gerade mal 3,5 Vollzeitstellen in der Verwaltung gegeben, erklärt die Senatsverwaltung. Diese Zahl sei auf rund 70 gewachsen. Dennoch fordert der Städteverbund Changing Cities jetzt noch mehr Tempo. Sprecherin Ragnhild Sørensen: „Rot-Rot-Grün hat sich die Verkehrswende auf die Fahnen geschrieben. Wenn sich die Koalition nicht total blamieren will, ist das jetzt ihre letzte Chance, die Winkefähnchen gegen Arbeitshandschuhe zu tauschen.“

Datum: 9. Juli 2020, Text: P. Neumann/M. Wolf, Bild: