Indischer Wanderer

Der Verein zur Erhaltung der Artenvielfalt kürte die kalorienarme Gurke zum „Gemüse des Jahres“.


Der Verein zur Erhaltung der Artenvielfalt (VEN) kürte die Gurke zum Gemüse der Jahre 2019/2020. Damit möchte der VEN zur Erhaltung und Verbreitung samenfester und damit nachbaufähiger Sorten anregen. Dabei kann es sich sowohl um Landsorten, als auch um ältere oder moderne Züchtungen handeln.


Gurken (Cucumis sativus L. ssp. sativus) sind die wasserreichsten und kalorienärmsten Gemüse schlechthin. Ihre weltweite wirtschaftliche Bedeutung ist immens. Hierzulande kennt man meist die unter Glas angebauten Salat- oder Schlangengurken, sowie verschiedene Formen von Einlegegurken. Gurkenanbau und -züchtung werden in Deutschland noch heute mit gutem Erfolg betrieben – aber ein Großteil der einstigen Vielfalt ist verschwunden.

Spannende Geschichte

Die Gurke gehört zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). Die Gattung Cucumis umfasst eine Reihe kultivierter Arten, darunter afrikanische Kiwanos (C. metuliferus Naud.), die Antillengurke (C. anguria L.), die große Sippe der Melonen (C. melo L.) und diverse Ziergurkenarten.

In Indien gibt es nachweislich seit mehr als 3.000 Jahren Gurkenanbau. Hier wurde wahrscheinlich auch die Kulturgurke aus der extrem bitteren Wildform domestiziert. Von Indien aus wanderte sich die Gurke nach Westen und nach Osten in Richtung China und Japan. Im Byzantinischen Reich, also auf dem Gebiet der heutigen Türkei, tauchte sie etwa im 7. Jahrhundert auf.

Die ältesten Nachweise in Osteuropa kommen aus Krakau aus dem 7. bis 10. Jahrhundert. Spätestens im 14. Jahrhundert war die Gurke dort dann bereits weit verbreitet. Der Weg nach Westeuropa dauerte länger, erst ab dem 16. Jahrhundert wird sie hier dokumentiert und als allgemein bekannt beschrieben. Sprachlich leitet sich das deutsche Wort „Gurke“ vom altpolnischen „ogurek“ ab und dieses wiederum kommt vom mittelgriechischen „angourion“.

Zwittrige Blüten

Gurken bilden mehrere Meter lange berankte Triebe. Sobald eine Ranke einen festen Halt findet, windet sie sich darum, zieht sich an beiden Enden gegenläufig korkenzieherartig zusammen und hebt so den Stängel empor, um die Pflanze aus dem Schatten ihrer Konkurrenten ans Licht zu bringen. Ursprünglich ist die Gurke einhäusig, das heißt, es finden sich an ein und derselben Pflanze rein weibliche und rein männliche Blüten. Letztere sind in der Regel zahlreicher und erscheinen früher.

Die weiblichen Blüten erkennt man an dem Fruchtknoten unterhalb der Kronblätter. Für die Bestäubung ist die Gurke obligatorisch auf Insekten angewiesen. Diese transportieren den Pollen der männlichen zu den weiblichen Blüten. Bei einigen Sorten kommen auch zwittrige Blüten vor. In der Gewächshauskultur werden meist rein weibliche Hybridsorten verwendet. Diese bilden Früchte ohne vorherige Bestäubung und Befruchtung aus. Dieses Phänomen heißt Jungfernfrüchtigkeit (Parthenokarpie) und bringt nur Früchte ohne fruchtbaren Samen hervor.

Große Vielfalt

Viele Gurken bekommen mit zunehmendem Reifegrad eine sehr feste Schale. Darauf bezieht sich die botanische Einordnung der Frucht als Panzerbeere. In der Küche verwenden wir die Gurke vorwiegend in unreifem Zustand. Die Schale ist dann noch gelbgrün bis dunkelgrün oder sogar gestreift oder fast weiß. Zur Samenreife hin wechselt die Farbe meist zu gelb, orange oder braun. Die Formenvielfalt reicht von den länglichen Schlangengurken über walzen- und keulenförmige Früchte bis hin zu sehr kurzen und kugeligen Gurken.

Datum: 25. Juni 2020, Text: Manfred Wolf, Bild: imago images/ITAR-TASS