Kahlschlag bei Galeria Karstadt Kaufhof

Von den Schließungen in Berlin sind voraussichtlich die Warenhäuser in Lichtenberg, Neukölln, Wedding, Hohenschönhausen, Tempelhof und Charlottenburg betroffen. 

Es ist ein ein schwerer Schlag für Berlin: Der finanziell angeschlagene Kaufhaus-Konzern Galeria Karstadt Kaufhof schließt nach aktuellen Informationen in der Hauptstadt sechs seiner 13 Niederlassungen. Es sind voraussichtlich die Warenhäuser in den Neuköllner Gropius-Passagen, an der Weddinger Müllerstraße, im Linden-Center Hohenschönhausen, im Ring-Center Lichtenberg, am Tempelhofer Damm und in der Wilmersdorfer Straße. Der geplante Bau eines neuen Kaufhausstandorts in Tegel ist nun auch vom Tisch. Unklar ist unterdessen noch, was mit Karstadt Sport im ehemaligen Bilka-Haus an der Ecke Kant- und Joachimsthaler Straße geschehen wird.

Großer Verlust für Berlin

Für den Charlottenburg-Wilmersdorfer Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) ist die Schließung des Hauses an der Wilmersdorfer Straße ein großer Verlust. „Dies ist eine Hiobsbotschaft. Zuallererst für die engagierten, kompetenten Beschäftigten, zugleich aber auch für die Fußgängerzone in der Wilmersdorfer Straße als wichtigem Handels- und Wirtschaftsstandort.” Er sieht nun die Bundesregierung in der Pflicht, „nach Lufthansa und TUI auch den Beschäftigten von Karstadt Galeria Kaufhof durch eine Auffanggesellschaft oder ähnliches eine solidarische Perspektive zu eröffnen.” Die dramatische Entwicklung soll zudem im Rat der Bürgermeister in der kommenden Woche gemeinsam mit dem Senat thematisiert werden. 

Die Tempelhof-Schöneberger Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) spricht ebenfalls von „einer schwierigen Situation“. Die Karstadt Filialen hätten wichtige Ankerfunktionen. „Wir müssen schnell nach Lösungen suchen, damit die Auswirkungen abgemildert werden.“

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Christian Gräff, schlägt Konzepte für die weitere Nutzung der nach der Schließung leerstehenden Immobilien vor: „Lasst uns zumindest aus den ersten Geschossen, Marktplätze der Zukunft machen. Die Nachfrage nach regionalen Produkten ist enorm. Und auch neue Handelskonzepte wie etwa Pop-Up-Stores verdienen eine Chance.“ Die Schließung von 62 der 172 Warenhäuser im Bundesgebiet gefährdet nach Konzernangaben 6.000 von insgesamt 28.000 Arbeitsplätzen.

Riesige Umsatzverluste

Neben den rund 20 Karstadt-Sport-Häusern sind auch 100 der 130 Reisebüros von der Schließung betroffen. Das ohnehin angeschlagene Unternehmen rechnet durch die Corona-Krise bis 2022 mit einem Umsatzverlust von rund 1,4 Milliarden Euro. (kr/ylla)

Datum: 19. Juni 2020, Text: Katja Reichgardt / Blz, Bild: imago images / Stefan Zeitz