Berlin-Wedding: Der Kampf um Kolonie 10

Gewerbetreibende können Teilabriss ihres Hofes erneut abwenden.

Der Raum für Künstler wird knapp – auch im Wedding. Die Verdrängung eines Kunstortes konnte nun zum widerholten Mal abgewendet werden. Kurz vorher war den Mietern der Kolonie10 erneut ein Teilabriss angedroht worden. „Mitten in der Coronakrise wollen die Eigentümer nun Tatsachen schaffen. Die geplante Abrissaktion ohne Baugenehmigung dient dabei einzig und allein dazu uns Mieter zu vergraulen“, erklärte die Mietergemeinschaft nach der überraschenden Ankündigung des Vermieters.

Viele Unterstützer

Für den Erhalt des Areals hatte sich auch die Linksfraktion im Bezirksparlament eingesetzt. Diese stimmte dem Antrag, die Bewohner und Gewerbetreibenden der Koloniestraße 10 vor Abriss und Verdrängung zu schützen, zu. Aufgrund artenschutzrechtlicher Belange wurde der Abriss durch die Baufirma nun vorerst abgesagt. Die Mieterschaft hofft trotzdem weiterhin auf Unterstützung und hat dafür eine Online-Petition gestartet.

„Wir freuen uns sehr über diesen Teilerfolg. Weitere Unterstützung wäre sehr wertvoll für uns. Wir wollen den Hof retten, erhalten und weiterentwickeln. Freiräume erhalten!“, erklären die Bewohner, die seit mehreren Jahren gegen einen Teilabriss des in einem Milieuschutz gelegenen Fuhr-Hofes kämpfen.

Erster Abrissversuch 2018 gescheitert

„Die Koloniestraße 10 ist ein Ort mit Geschichte, an dem eine starke und engagierte Nachbarschaft gewachsen ist. Eine Mietergemeinschaft, die unabhängig von Geschlecht, Herkunft und sozialem Status zusammenlebt. Hier treffen Jung und Alt aufeinander – unser jüngster Mieter Juri ist gerade einmal vier Jahre alt, die älteste Anfang 60“, heißt es darin unter anderem. Ein erster Abrissversuch des Vermieters war bereits im Dezember 2018 am Widerstand der Bewohner und der Politik gescheitert. 

Datum: 3. Juni 2020, Text: Katja Reichgardt, Bild: imago images/Markus Heine