Steglitz-Zehlendorf: Sorge um kleine Läden am Kranoldplatz

Kranoldplatz

Anwohner und Händler fürchten um die Zukunft des kleinteiligen Gewerbes rund um den Kranoldplatz. Die SPD-Fraktion fordert den Bezirk auf, großflächigen Einzelhandel zu verhindern.

In der letzten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung hat die SPD-Fraktion einen Antrag eingebracht, der das Bezirksamt auffordert, die Errichtung großflächigen Einzelhandels in der Ferdinandstraße nicht zu genehmigen. Das Bezirksamt hätte sich zuvor bereit erklärt, die kleinteilige Struktur des Einzelhandels im Kranoldkiez zu stützen und zu erhalten, heißt es zur Begründung des Antrags, der in einen Fachausschuss überwiesen wurde.

Hintergrund ist die Entwicklung des Gebiets rund um den Kranoldplatz im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Immobilienholding HGHI. 2017 erwarb die HGHI zwei Gebäudekomplexe, deren Mieter – vor allem kleinere Läden und Marktstände – den Kiez bis dahin mit prägten. Die Sozialdemokraten kritisieren, der Eigentümer und Geschäftsführer der HGHI, Harald Huth, habe sich zum „neuen Besitzer des Kranoldplatzes“ ausrufen lassen. Seither herrsche große Verunsicherung unter den Gewerbetreibenden sowie den Wohnungsmietern.

Existenzen bedroht

„Mehrere Geschäftsinhaber haben von stark gestiegenen Mieten und existenzbedrohenden Vertragsklauseln berichtet“, so die SPD-Bezirksverordnete Carolyn Macmillan. So enthielten manche Verträge Forderungen nach einer zehnprozentigen Umsatzbeteiligung, was für kleine Einzelhändler bereits eine Frage des Überlebens sein könne.

Teilweise seien die Gewerbemieten bis auf das Doppelte gestiegen, zudem müssten selbst im Todesfall die
Erben der Geschäftsinhaber die Verträge bis zum Ende der Laufzeit weiter erfüllen. „Im Gewerbemietrecht
sind derartige Forderungen leider nicht verboten“, so Macmillan.

Hohe Kaufkraft

Trotz der hohen Kaufkraft im Kiez würden sich In jüngster Zeit würden sich Ladenschließungen häufen – vor allem in den von HGHI erworbenen Gebäuden am Kranoldplatz 3-6 und in der Ferdinandstraße 31-35. “Die Corona-Pandemie setzt die Geschäftsinhaber nun zusätzlich unter Druck”, sagt Macmillan.

Das nächste Projekt von Huth wird das Problem nach Ansicht der SPD-Fraktion wohl noch verschärfen. Das Gebäudeensemble an der Ferdinandstraße beherbergt den traditionsreichen Ferdinandmarkt. Damit soll nun Schluss sein und der Hof mit einer Glasfassade verschlossen werden. Anstelle der Marktstände ist ein großflächiger
Supermarkt geplant, dem auch das Café „Ferdinand 34“ und andere Läden im Gebäude weichen müssen.

SPD erinnert Investor an soziale Verantwortung

Einige der Gewerbetreibenden sowie zahlreiche weitere Anwohnerinnen und Anwohner haben sich in der
„Bürgerinitiative Kranoldplatz“ zusammengeschlossen. Die Initiative will das Viertel in seiner bisherigen, kleinteiligen Struktur erhalten.  In einem Brief erinnerte die Initiative Huth an seine soziale Verantwortung, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Einnahmeausfälle: „Um zu verhindern, dass die Verdrängungsprozesse im Kiez durch Corona noch mehr Fahrt aufnehmen, müssen bessere Bedingungen für die ansässigen Ladengeschäfte geschaffen werden“, fordert auch Carolyn Macmillan.

Die SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf steht hinter den Zielen der Bürgerinitiative: „Wir möchten im Kern unbedingt das gewachsene, vielfältige Einkaufsangebot erhalten“, erklärt der Fraktionsvorsitzende Norbert Buchta. Das Argument des Investors, dass der Kiez zum Überleben unbedingt große „Frequenzbringer“ benötige, sei wenig nachvollziehbar: Im Einkaufszentrum LIO gebe es bereits zwei Supermärkte.

Datum: 31. Mai 2020, Text: Redaktion/NM, Bild: imago images/tagesspiegel