Humboldt Forum Berlin nach und nach komplett

Historische Rekonstruktion der Kuppel des Berliner Stadtschlosses soll noch im Mai abgeschlossen sein – letzter Kunstwettbewerb entschieden.

Auch wenn das Humboldt Forum wegen Bauverzögerungen und der Corona-Pandemie erst Ende des Jahres – und dann auch nur schrittweise – geöffnet werden kann, gehen die Bauarbeiten am Berliner Schloss und dem Humboldt Forum sichtbar voran. So wurde in der vergangenen Nacht der Kuppelaufsatz angeliefert. Um das 17 Tonnen schwere Kuppelkreuz, das bereits am Freitag auf die Kuppel gesetzt werden soll, hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen gegeben. Immerhin will das Humboldt Forum als Kultur- und Ausstellungszentrum völker- und religionsübergreifende Fragen thematisieren. Für viele Kritiker lasse sich dieser Anspruch nicht mit dem über allem thronenden christlichen Symbol vereinbaren.

Von Machtansprüchen distanzieren

Das ursprüngliche Kreuz und die Inschrift wurden mit dem Schloss 1950 gesprengt, jetzt aber als Teil der Fassaden des Humboldt Forums nachgebaut. Generalintendant Hartmut Dorgerloh verteidigt die Entscheidung, das Kreuz auf die Kuppel zu setzen: „Das Humboldt Forum entsteht an einem besonderen Ort mit einer komplexen und nicht widerspruchsfreien Entstehungsgeschichte. Es versteht sich daher von selbst, dass wir uns von jeglichen Macht-, Alleingültigkeits- oder gar Herrschaftsansprüchen distanzieren, die aus diesen Zeichen oder Inschriften abgeleitet werden können. Vielmehr gehört die bauliche Ambiguität zur DNA des Humboldt Forums.” Nach aktuellem Stand der Planung erfolgt am 29. Mai frühmorgens, sofern es die Windverhältnisse zulassen, die Aufsetzung der Laterne mitsamt Kreuz auf die Kuppelspitze in zwei Hüben.

Wettbewerb entschieden

Und auch an anderer Stelle geht es am Humboldt Forum voran. Antje Schiffers und Thomas Sprenger aus Berlin haben den ersten Preis des Kunst-am-Bau-Wettbewerbs für die Gestaltung der Wand des Aufzugsmaschinenhauses auf der Dachterrasse des Humboldt Forums erhalten. Ihr Entwurf „Insurgentes Sur“ überzeugte das Preisgericht unter Vorsitz der Berliner Künstlerin Christiane Dellbrügge. Für einen weiteren Standort, den Bereich der Dachterrasse, vergab die Jury einen zweiten Preis an Emeka Ogboh (Berlin). Damit sind auch die letzten der insgesamt sieben Kunststandorte im wiedererrichteten Berliner Schloss entschieden.

Schiffers und Sprenger holen mit ihrer Wandgestaltung die Silhouette von Mexiko-Stadt in die Partnerstadt Berlin. Der Titel nimmt Bezug auf die längste Hauptstraße der mexikanischen Hauptstadt, die Avenida de los Insurgentes (zu Deutsch: Allee der Aufständischen). Hans-Dieter Hegner, Bauvorstand der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss: „Das Bild ist ein starkes Zeichen der Verbundenheit Berlins mit Lateinamerika. Es verweist zugleich auf Alexander von Humboldts Reisen sowie auf die Sammlungen des Ethnologischen Museums, die künftig im Humboldt Forum präsentiert werden.“ Für die Jury überzeugend, schlägt die goldfarbene Arbeit viele Brücken zu Vergoldungen am Gebäude und zu einem Aspekt Südamerikas.

Afrikanisches Volkslied

Zu dem weiteren Kunststandort, der Ausgestaltung der Terrasse, sagte Hegner: „Für die Ausgestaltung der Terrasse waren die Vorschläge nicht so vielfältig. Die Idee einer Soundinstallation mit einem neu arrangierten afrikanischen Volkslied des nigerianischen Künstlers Emeka Ogboh erhielt zu Recht einen zweiten Preis und hat Potenzial für eine Weiterentwicklung und Anpassung für das Humboldt Forum.“ 

In vorangegangenen Wettbewerben wurden bereits Kunst-am-Bau-Werke für fünf weitere Standorte im Humboldt Forum ausgewählt. In zwei Treppenhäusern werden die Arbeiten von An Seebach und Christiane Stegat aus Köln (am Hofportal 1) und Tim Trantenroth (am Hofportal 5) ausgeführt. In der zentralen Treppenhalle wird eine Skulptur von Kang Sunkoo angebracht. In den Wettbewerben für zwei Foyer-Standorte setzten sich das Künstlerduo Dellbrügge & de Moll (Auditorium im Erdgeschoss) und Stefan Sous (1. Obergeschoss) durch.

Datum:26. Mai 2020, Text: Katja Reichgardt, Manfred Wolf, Bilder: Fritz Zimmermann, Humboldt Forum