Berlin-Grunewald: Havelchaussee soll Fahrradstraße werden

Havelchaussee in Berlin

Ein knapp acht Kilometer langer Abschnitt der Havelchaussee soll für Autofahrer tabu sein. Das fordern die Initiatoren einer Online-Petition.

Links und rechts sattes Grün und immer wieder der Blick auf den Wannsee: Die Havelchaussee durch den Grunewald ist eine der schönsten Radstrecken Berlins. Doch zwischen den Autos haben es Radfahrer nicht immer leicht. Die Initiatoren einer Online-Petition fordern, den Abschnitt im Grunewald zwischen Postfenn und Kronprinzessinnenweg (Länge: rund 7,8 Kilometer) für den privaten Fahrzeugverkehr zu sperren. 

Eine Sperrung hätte Auswirkungen weit über den Grüngürtel am Wannsee hinaus: Die Havelchaussee ist nicht nur eine landschaftlich reizvolle, sondern auch stark befahrene Verbindung zwischen den Ortsteilen Wilhelmstadt (Spandau), Grunewald (Charlottenburg-Wilmersdorf) sowie Wannsee und Nikolassee (Steglitz-Zehlendorf).

Gefährliche Slalomtour

“Für Radler wie für Autofahrer wird die kurvige und hügelige Straße gerade am Wochenende schnell zur gefährlichen Slalomtour”, heißt es in der Begründung der an Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos/für Grüne) gerichteten Petition. “Es gibt wohl keine Straße in Berlin, die besser als Fahrradstraße geeignet ist als die Havelchaussee. Für den Durchgangsverkehr wird sie nicht gebraucht, die Avus verläuft fast parallel.” Für Ausflügler gebe es die traditionelle Bus-Linie 218 der BVG. “Und die wenigen Anlieger können leicht von der Sperrung ausgenommen werden.”

Die Initiatoren berufen sich auf eine vergangene Regelung: Demnach durften bis 1945 schon einmal nur Busse und Räder auf der Havelchaussee fahren. Nach dem Mauerfall ergriff der rot-grüne Senat Maßnahmen, um den privaten Kfz-Verkehr in dem Bereich zu unterbinden. So wurde die Durchfahrt durch einen Abschnitt der Havelchaussee verboten und die Parkmöglichkeiten beiderseits der Straße in der Umgebung der beliebtesten Ausflugsziele gesperrt. Später wurde das Durchfahrtverbot wieder aufgehoben, allerdings blieb die gesamte Havelchaussee eine Tempo-30-Zone.

Wichtige Verbindung

Günther äußerte sich bislang nicht zu der Petition, die nach Angaben der Initiatoren innerhalb von knapp vier Tagen von rund 1.000 Unterstützern gezeichnet wurde. 

“Die Havelchaussee ist eine wichtige Verbindung für Radfahrende und ist in dem Entwurf der Verbände für das Radnetz 2.0 als Vorrangroute enthalten”, kommentierte das Netzwerk Fahrradfreundliches Steglitz-Zehlendorf das Anliegen der Petition. In dem Entwurf sei vorgesehen, die Havelchaussee zur Nebenstraße zurückzustufen und Modalfilter anzubringen. “Somit wäre eine Umwidmung zur Fahrradstraße ein erster richtiger Schritt.”

Datum: 18. Mai 2020, Text: Nils Michaelis, Bild: BishkekRocks/WikimediaCommons