Sonderausstellung im Kulturforum: Pop on Paper. Von Warhol bis Lichtenstein

Ausschnitt aus dem Lichtenstein-Bild Crying Girl

Das Berliner Kupferstichkabinett präsentiert erstmals in einer Ausstellung die Highlights seiner Pop-Art-Sammlung, die zu den bedeutendsten in Deutschland und Europa zählt.

Ausgehend von der US-amerikanischen Druckgraphik der 1960er-Jahre und den Pop-Art-Pionieren Andy Warhol und Roy Lichtenstein entfaltet „Pop on Paper“ ein stilistisch wie thematisch breites Spektrum, das von Arbeiten so unterschiedlicher Künstler wie Claes Oldenburg, James Rosenquist oder Sturtevant zu Allen Jones, Sigmar Polke und Maria Lassnig nach Europa und bis in die Gegenwart reicht.

Abstrakte Bildzeichen

Großes Thema der klassischen Pop Art war der Umgang mit den trivialen, auf massenhafter Anfertigung und Verbreitung beruhenden Bild- und Produktwelten der US-amerikanischen Konsumgesellschaft – angefangen von der Suppenbüchse und dem Comic Strip bis hin zu den Pressefotos von Jackie, der Witwe des US-Präsidenten John F. Kennedy.

Doch Pop war nicht gleich Pop, sondern umfasste neben Individualisten wie Jim Dine und John Wesley auch minimalistische Tendenzen, wie sie die abstrakt-flächenhaften Bildzeichen von Robert Indiana, Gerald Laing oder Allan D´Arcangelo erkennen lassen.

Farbkräftige Werke

Was Warhol, Lichtenstein und Co. vereint, ist der offensive und kreative Einsatz der Druckgraphik, der es ihnen erlaubte, ihre vornehmlich in der Malerei entwickelten Bildfindungen einem breiteren Publikum jenseits des elitären Kunstmarktes zu vermitteln. Dies geschah vor allem über den Einsatz des ursprünglich aus der Werbung stammenden Siebdrucks, der es auch erlaubte, fotografische Vorlagen zu reproduzieren oder Kunststoff- und Silberfolien zu bedrucken.

Dabei erweisen die meist farbkräftigen, bisweilen extrem großformatigen Werke, die in jenen Jahren des „Great Graphic Boom“ in New York und Los Angeles in ambitionierten Druckwerkstätten entstanden, dass die Pop Art in ganz entscheidendem Maße als Pop on Paper ihre Wirkung entfaltete.

Legendäre Galerie

Künstler wie Roy Lichtenstein oder Robert Indiana wurden zudem zu Plakat-Gestaltern, warben mit unlimitierten Sieb- und Offsetdrucken für ihre eigenen Ausstellungen – etwa in der legendären New Yorker Galerie von Leo Castelli. Wie mehrere Leihgaben aus der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin bezeugen, war der Übergang zwischen dem limitierten Druck als Handelsobjekt für den Kunstmarkt und dem dennoch hochwertigen, in hoher Auflage verbreiteten Werbemittel bisweilen fließend.

Frühe Werbezeichnungen

In zehn Kapiteln nähert sich „Pop on Paper“ einzelnen Künstler*innen und Themen der Pop Art. Angefangen mit ihrem Aufkeimen in England (Eduardo Paolozzi, Richard Hamilton) sowie bei Künstlern wie Jasper Johns und Robert Rauschenberg über frühe Werbezeichnung von Andy Warhol aus der Sammlung Marx bis hin zu europäischen Parallelentwicklungen und Reflexionen um 1970 etwa bei Ulrike Ottinger und Equipo Crónica.

Ein zeitgenössisches Echo des Pop-Styles findet sich abschließend in Werken von Antje Dorn und SUSI POP. Zwei Kleider aus Papiervlies im Warhol-Look aus der Sammlung des Kunstgewebemuseums fügen „Pop on Paper“ weitere Facetten hinzu.


Zur Ausstellung ist ein Katalog im Kerber Verlag erschienen: 180 S., 160 Abb., ISBN 978-3-7356-0683-9,
Preis: 29 Euro (Museumsausgabe), 38 Euro (Buchhandel).

„Pop on Paper. Von Warhol bis Lichtenstein“ öffnet am 12. Mai 2020, mit Sonderöffnungszeiten (Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr). Die Anzahl der zeitgleich zugelassenen Besucher ist begrenzt, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist ebenso verpflichtend, wie die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern. Um Schlangenbildungen an den Kassen und beim Einlass zu vermeiden, ist der Museumsbesuch ausschließlich mit einem Zeitfensterticket möglich. Es wird dringend empfohlen,

Tickets im Vorfeld online zu buchen


Datum: 11. Mai 2020, Text: Ulf Teichert, Bilder: Estate of Roy Lichtenstein / VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders