Mit „StattReisen” virtuell Berlin erobern

Mit „StattReisen" virtuell Berlin erobern

Der Anbieter „StattReisen” geht neue Wege und erlaubt es, die Stadt vom heimischen Sofa aus zu erkunden. 

Zurzeit schaut täglich die gesamte Republik gebannt auf die neuesten Mitteilungen aus dem Wedding. Hier stehen zwischen Seestraße und Nordufer verschiedene Gebäude des Robert-Koch-Instituts (kurz: RKI) mit Forschungseinrichtungen und einem Museum. Gegründet wurde das RKI 1891 als Königlich Preußisches Institut für Infektionskrankheiten. Das historische Gebäude ist heute immer noch der Hauptsitz des Instituts.

Große Epidemie

Schon länger wurde eine eigene Einrichtung zur Erforschung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten erwogen, denn im 19. Jahrhundert brachen immer wieder Seuchen und Epidemien mit verheerenden Folgen aus. Kurz nach der Gründung hat zum Beispiel die Hamburger Bevölkerung die letzte große Cholera-Epidemie in Deutschland mit mehr als 8.000 Toten erlitten. Zum ersten Leiter des Instituts wurde der damals bereits berühmte Arzt und Bakteriologe Robert Koch ernannt.

Rundgang am Nordufer 

Wer noch mehr zum Robert-Koch-Institut erfahren möchte, „begleitet“ einfach Jörg Zintgraf auf seinem Rundgang durch das imposante Gebäude am Nordufer. Dieser ist Teil eines Projektes, das der Stattreisen-Chef mit seinen Mitarbeitern entwickelte: Stadterkundungen vom heimischen Sofa aus. „Wir wollten auch in dieser Zeit unbedingt allen Interessierten spannende Orte in Berlin zeigen“, erläutert Zintgraf. Dabei herausgekommen sind Filme und Fotoreportagen.

Das Team von StattReisen hat dazu die aktuelle Situation zum Thema gemacht und blickt in die Geschichte. Die Stadtführer erklären etwa am Beispiel einer ehemaligen Desinfektionsanstalt, wie früher die Wohnungen von Kranken ausgeräumt und hier Kleidung, Matratzen oder sogar Möbel mit Heißdampf desinfiziert wurden. An einem alten Toilettenhäuschen in einem Kreuzberger Hinterhof wird erläutert, wie solche Orte zur Verbreitung der Cholera im 19. Jahrhundert beigetragen haben.

Denkmal für Rudolf Virchow

In der Nähe der Charité geht es am Denkmal für Rudolf Virchow um seinen Kampf gegen die großen Infektionskrankheiten, den neuen Blick der Medizin auf den Menschen und darum, wie er als Stadtverordneter einige bis heute grundlegende Einrichtungen in der Gesundheitsvorsorge voran brachte. Auch die Festschreibung von Hygieneregeln gehörte dazu.

Leere Orte

Die Corona-Pandemie verändert die Sicht auf die Stadt. StattReisen führt virtuell zu Orten, die in früheren Zeiten von Epidemien und Krankheiten geprägt wurden oder durch sie erst entstanden sind. Fotoreportagen zeigen, wie bekannte und nun plötzlich leere Orte, wie der Alexanderplatz eine neue Aufmerksamkeit erzeugen. Sie werfen die Frage auf, was diese Orte uns tatsächliche bedeuten und was uns dort bisher vielleicht entgangen ist.

Das ändert nichts an der katastrophalen Einnahmesituation des Stadtführungsveranstalters: Fast alle Kunden haben bis in den September hinein storniert, darunter vor allem Schulklassen, die nicht mehr auf Klassenfahrt gehen dürfen. „Es wäre eine erfolgreiche Saison geworden“, so Jörg Zintgraf. 

 

Datum: 9. Mai 2020, Text: M. Wolf, Bild: imago images/travel stock image