Kleiner Flieger sehr bedroht

Die Speer-Azurjungfer ist die “Libelle des Jahres”


Wir stellen Ihnen in der Serie „Naturwesen des Jahres“ 2020 Vertreter aus der heimischen Fauna und Flora vor, die vom Naturschutzbund (NABU) und anderen Verbänden als sogenannte „Jahreswesen“ auserkoren worden sind. Heute geht es um die „Libelle des Jahres“: Speer-Azurjungfer.


Der BUND und die Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen (GdO) haben die Speer-Azurjungfer (Coenagrion hastulatum) zur Libelle des Jahres gekürt. Die Speer-Azurjungfer ist eine in ganz Deutschland seltene Kleinlibelle. Ihre Bestände sind in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.

Moore erhalten

Notwendig zum Schutz und zum Erhalt dieser Art sind eine konsequente Erfassung und ein Monitoring der noch vorhandenen Vorkommen. „Die bestehenden Populationen müssen wachsen, um so ein Aussterben der Art zu verhindern“, erläutert GdO-Experte Klaus-Jürgen Conze. Um die Speer-Azurjungfer langfristig zu schützen, bedarf es einer extensiven Bewirtschaftung besiedelter Teiche sowie neuer nährstoffarmer Flachgewässer. Die noch erhaltenen Moore müssen vor Nährstoffeinträgen geschützt werden.

Typisches Abzeichen

Die blau-schwarz gemusterten Männchen und die grün-schwarz gemusterten Weibchen der Speer-Azurjungfer sind nicht einfach zu bestimmen. Vor allem das grüngefärbte Weibchen kann mit verwandten Kleinlibellenarten verwechselt werden. Arttypisch sind die grün gefärbten Augenunterseiten und das namensgebende speerförmige Abzeichen auf der Oberseite des zweiten Hinterleibsegmentes beim Männchen beziehungsweise die typische Form des Vorderbrust-Hinterrandes beim Weibchen.

Flache Gewässer

In Deutschland liegen Verbreitungsschwerpunkte dieser Kleinlibelle im norddeutschen Tiefland, den östlichen Mittelgebirgen, dem südwestdeutschen Stufenland und dem Alpenvorland. Besonders wohl fühlt sich die Speer-Azurjungfer in Hoch- und Übergangsmooren. Aber auch in Niedermooren oder flachen, nährstoffarmen Gewässern.

Erwachsene Tiere

Der Lebenszyklus der Speer-Azurjungfer beträgt ein Jahr. Wie alle einheimischen Libellenarten verbringt sie einen beachtlichen Teil ihres Lebens als Larve im Wasser. Im Flachland lassen sich die erwachsenen Tiere von Mai bis Juli beobachten, im Bergland von Juni bis August. Wo Vorkommen bestehen, sollten die besiedelten lückigen Flachwasserzonen besonders geschützt und erhalten und im Umfeld weitere Gewässer mit solchen Uferbereichen entwickelt werden.

Tolles Sehvermögen

Libellen sind Raubinsekten. In der Luft jagen sie nach Fliegen, Mücken und sogar Libellen kleinerer Arten, um sie dann oft schon im Fluge mit ihren Mundwerkzeugen zu verzehren. Die optimale Orientierung im Luftraum wird möglich durch die beiden, einen großen Teil des Kopfes ausmachenden, aus bis zu 30.000 Einzelaugen zusammengesetzten Komplex- oder Facettenaugen. Sie besitzen ein hohes zeitliches Auflösungsvermögen. Dadurch können die Libellen hervorragend sich schnell bewegende Beutetiere erkennen und verfolgen. Diese ergreifen sie dann mit ihren nach vorn gerichteten, einen Fangkorb bildenden drei bedornten Beinpaaren.

Datum: 7. Mai 2020 Text: M. Wolf Bild: imago images/Blickwinkel