Wachsam gegen Antisemitismus

Wachsam gegen Antisemitismus

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS Berlin) vermeldet weniger antisemitische Vorfälle und äußert zugleich Sorge.

Der 8. Mai 1945 markiert das Ende des Zweiten Weltkriegs. Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus hat Berlin diesem historischen Ereignis einmalig mit einem Feiertag gedacht. Nach Schätzungen mussten 60 bis 70 Millionen Menschen im Zuge des Krieges ihr Leben lassen, schreibt unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung. Sechs Millionen europäische Juden fielen den Nazis zum Opfer. Leider ist Antisemitismus auch noch viele Jahre später ein präsentes Thema.

Starker Anstieg 2018

So hat die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS Berlin) 2018 einen starken Anstieg bekannt gewordener, antisemitischer Vorfälle (1.085; 2017: 955) verzeichnet, alleine 146 davon ereigneten sich in Mitte. 2019 sind die Zahlen um 19 Prozent auf insgesamt 881 Vorfälle zurückgegangen, davon mit 140 immer noch die meisten im Bezirk. Im Vergleich: Reinickendorf verzeichnete 2019 acht Vorfälle.

Keine Entwarnung

Die Zahlen würden jedoch nur aufs erste Hinsehen bedeuten, dass es im Jahr 2019 zu einer Entspannung mit Blick auf den Antisemitismus kam, heißt es im von RIAS vorgelegten Bericht. Weiterhin müssten gerade als jüdisch erkennbare Menschen in ihrem Alltag damit rechnen, antisemitisch angefeindet zu werden.

Positive Entwicklung mit Vorbehalt 

„Der quantitative Rückgang ist eine positive Entwicklung, aber qualitativ haben wir eine antisemitische Grundstimmung, die uns weiter wachsam halten muss“, bestätigt auch Dirk Behrendt (Grüne), Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung. So ging die Zahl der antisemitischen Angriffe (33) im vergangenen Jahr gegenüber 2018 (46) zwar um 28,3 Prozent zurück, dennoch handele es sich um die zweithöchste Anzahl von antisemitischen Gewaltvorfällen seit Beginn der Erfassung 2015. 

Datum: 6. Mai 2020, Text: Lisa Gratzke, Bild: imago images/Jürgen Ritter