Nach der Eröffnung droht der Absturz

Anfahrt zum Flughafen Terminals des BER

Ob der BER seine riesige Schuldenlast von sieben Milliarden Euro schultern wird, steht in den Sternen.

Berliner, die Ruhe suchen, werden diese derzeit an den Berliner Flughäfen besonders intensiv spüren: Gähnende Leere in Tegel und viel Platz in Schönefeld. Wo normalerweise täglich 100.000 Fluggäste und mehr abgefertigt werden, sind es jetzt gerade mal 1.000 Passagiere. Ungleich betriebsamer dürfte es in den kommenden Wochen im Terminal 1 des BER zugehen, obwohl auch hier keine Flugzeuge abheben.

Große Erleichterung nach der Fertigstellung

. Doch nachdem das mehrere Milliarden Euro teure Hallengeflecht vom TÜV Dahme-Spreewald die Betriebserlaubnis erhalten hat, werden in den kommenden Wochen und Monaten jeweils dienstags und donnerstags alle praktischen Abläufe mit bis zu 200 Statisten durchgespielt. Parallel dazu stehen noch Innenausbauten für Geschäfte, Restaurants und eine Lounge sowie die Beseitigung kleinerer baulicher Mängel an. „Das Terminal 1 des BER ist fertiggestellt. Die Zeit des Bauens ist grundsätzlich vorbei. Jetzt geht es darum, dass wir dieses Terminal auch zum Fliegen bringen“, zeigt sich Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup äußerst erleichtert.

 

Alte Zahlen und neue Probleme

Der neue Hauptstadt-Airport wird mit seiner nun fest avisierten Eröffnung am 31. Oktober 2020 alten Problemen entgegenfliegen. Wenn es nämlich darum geht, die geschätzten Baukosten von 7,3 Milliarden Euro einzufahren, Zinsen zu tilgen und auch noch den laufenden Betrieb zu finanzieren, könnten den Gesellschaftern – die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund – die jüngst bestätigten Businesspläne gewaltig aus dem Ruder laufen. Das grundsätzliche Problem des Flughafens ist, dass er inklusive brandschutztechnischer Vollsanierung quasi zweimal gebaut wurde, aber naturgemäß nur die Kosten für ein Projekt erwirtschaften kann.

Teure Kosten im Detail

Diese Einschätzung teilen auch die Wirtschaftsexperten Hans Georg Gemünden, Karl-Heinz Wolf und Harald Krehl in ihrem vor wenigen Tagen erschienen Report. Demnach scheint es schlicht unmöglich, dass der BER die Kosten für den Bau und den Betrieb aus eigener Kraft aufbringen kann. Weitere teure Details wie noch ausstehende Zahlungen in Höhe 374 Millionen Euro für die Realisierung von Schallschutzmaßnahmen würden in den kommenden Jahren genau so fällig werden wie jährliche Zins- und Tilgungszahlungen von bis zu 175 Millionen Euro. Der Report beschreibt in den Szenarien 1 bis 3 eine Finanzierungslücke zwischen 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro, mit der sich die Flughafengesellschaft im Jahr 2023 konfrontiert sehen werde.

Gewaltige Schuldenlast zum Starttermin

Diese Kosten seien auch durch höhere Einnahmen aufgrund steigender Fluggastzahlen bis an die Kapazitätsgrenzen des Flughafens kaum zu stemmen. Bei einem normalen Privatunternehmen sei eine solche Bilanz für kreditgebende Banken Anlass für ein sehr ernstes Gespräch mit der Geschäftsleitung, heißt es in dem Expertenpapier. Ansichten, die BER-Geschäftsführer Lütke Daldrup so nicht bestätigen möchte. „Ja, der Flughafen hat eine gewaltige Schuldenlast mit einem Finanzierungsbedarf von 800 Millionen Euro. Das haben wir aber in unserem Businessplan ausgewiesen. Die Hälfte dieser Summe kommt von Bund und den Ländern, die andere Hälfte wird durch Investitionen vom Kapitalmarkt finanziert“, so seine Rechnung. Auch zur Abfederung der massiven Umsatz-Einbußen aufgrund der Corona-Krise habe man noch einmal einen Finanzierungszuschuss in Höhe von bis zu 300 Millionen Euro genehmigt bekommen.

Konsolidierung ist in Planung

Auf mittlere Sicht erwarte man zwar eine längere Anlaufphase, bis der Flugverkehr wieder das Niveau des vergangenen Jahres erreichen könne. „Aber wir denken auch an die Zeit nach der Corona-Krise. Und wenn wir darüber reden, dass die Lufthansa mit zehn Milliarden Euro staatlich unterstützt werden soll, ist es doch eine naheliegende Überlegung, dass wir die größte deutsche Fluggesellschaft fragen werden, wie sie den Hauptstadtflughafen auch auf den interkontinentalen Linien unterstützen kann. Da haben wir Erwartungen“, so Lütke Daldrup zur weiteren Erhöhung der BER-Kapazitäten.

Weiterführende Informationen zum Thema finden sich auch hier Berliner Flughafen Tegel soll bis Ende Mai geschlossen werden und unter Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg.

Datum: 6. Mai 2020, BIlder  und Text: Stefan Bartylla