Corona-Krise: Berliner Wirte wollen ihre Lokale wieder öffnen

Berliner Wirte

Gastro-Branche ist schwer von Pandemie-Beschränkungen getroffen. Hotel- und Gaststättenverband fordert Zeitplan und legt Sicherheitskonzept vor.

Zwei für Berlin extrem wichtige Branchen haben von Bund wie Land in der Corona-Krise bisher keine Perspektive auf Öffnung erhalten: die Gastronomie und die Hotellerie. Ihre Verzweiflung ist groß: „Wir sind bereit, alles zu tun, uns an alle Regeln zu halten“, verspricht Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga Berlin), „wenn man uns nur endlich Regeln sagt, wenn man uns nur endlich eine Perspektive gibt.“

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) erklärte vergangene Woche, dass Öffnungen in der Gastronomie „eher in Richtung Sommer“ denkbar seien. Bis dahin fordert der Senat vor allem mehr Einsatz vom Bund. Dieser verkündete explizit Hilfen: Der Mehrwertsteuersatz für in Restaurants verzehrte Speisen soll von 19 auf sieben Prozent verringert werden – allerdings erst vom 1. Juli an bis zum 30. Juni 2021.

Klarheit gefordert

In der Landespolitik wurde die Wahl des 1. Juli als Datum für die Steuersenkung klar als erstes Signal aus dem Bund gedeutet: Eine Öffnung der Gastronomie wird es früher wohl nicht geben. In der Branche selbst will man das Signal allerdings noch nicht so einfach hinnehmen, man wünscht sich endlich klare Aussagen. Man freue sich über die Senkung der Mehrwertsteuer, die sei aber erst ab der Wiedereröffnung hilfreich, sagt Lengfelder. „Der Termin 1. Juli verunsichert uns.“

Die Gastronomie in Berlin will früher öffnen, am liebsten ab sofort. Lengfelder sagt: Sie muss früher öffnen, brauche zumindest aber zügig einen Fahrplan, heraus aus dem Shutdown – und wenn nicht, weitere Hilfen. „Wenn wir noch länger schließen müssen, dann haben wir eine noch größere Pleitewelle vor uns mit vielen, vielen Arbeitslosen.“ Zwölf Milliarden Euro erwirtschaftet die Branche laut Wirtschaftsverwaltung pro Jahr, stellt 230.000 Arbeitsplätze in Berlin und hat laut Dehoga 2019 rund 2,5 Milliarden Euro Steuern abgeführt. Für Lengfelder ist es auch eine Frage von Logik und Gerechtigkeit: Warum dürfen andere Branchen öffnen, nicht aber die Gastronomie?

Menü auf Abstand

Er und seine Verbandsmitglieder haben Pop ein Konzept mit Vorschlägen zu Gastro-Regeln in der Corona-Krise übermittelt. Demnach ist die Gastronomie zu allem bereit. Mund-Nasen-Schutz für das Personal, nur noch bargeldloses Zahlen, die Tische auseinanderrücken, Servierwagen als Abstandshilfe benutzen, Desinfektionsmittel am Eingang verteilen, Besuchergrenzen je nach Größe der Räume.

Viele Gastronomen haben konkrete Vorschläge. So sagte Boris Radczun, Mitinhaber des Grill Royal, Restaurants könnten eine Reihe an Maßnahmen umsetzen, wie etwa Plexiglas-Wände zwischen den Tischen. Kritiker wenden ein, dass sich wieder mehr Menschen aus fremden Haushalten miteinander treffen und so gegen die Kontaktbeschränkungen verstoßen, wenn gastronomische Betriebe wieder öffnen. 

Mehr Hilfsgelder

In einem Offenen Brief macht Pop den Gastronomen Hoffnung auf zusätzliche Hilfsgelder. “Ich habe die Bundesregierung aufgefordert, die Soforthilfeprogramme auch für Unternehmen mit mehr als zehn Angestellten zu öffnen”, so die Grünen-Politikerin. “Wir brauchen ein Programm des Bundes speziell mit Zuschüssen für die Gastronomie, die Hotellerie und die Veranstaltungsbranche. Berlin ist bereit, diese Bundes­programme mit eigenen Mitteln zu verstärken.”

Gemeinsam mit Dehoga, visitberlin und anderen Akteuren arbeitet die Wirtschaftsverwaltung an einem Plan, “wie wir gezielt und mit Vernunft die Berliner Gastronomiebetriebe wieder hochfahren und verantwortungsbewusst öffnen können, sobald es die gesundheitliche Situation zulässt”, so Pop.

Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung der Berliner Zeitung. Mehr zum Thema finden Sie auf der Website.

Datum: 30. April 2020. Text: Annika Leister/NM. Bild: imago images/Uwe Steinert