Berliner Flughafen Tegel soll bis Ende Mai geschlossen werden

Airport TXL

Die Passagierzahlen sind wegen der Corona-Krise stark gesunken.

Der Flughafen Tegel soll wegen der Corona-Krise vorübergehend geschlossen werden. Das sieht ein Antrag vor, den die Flughafengesellschaft FBB am Mittwoch an die oberste Luftfahrtbehörde in Berlin abgeschickt hat. Danach soll der Betrieb spätestens zum 1. Juni für zwei Monate eingestellt werden. Es wurde aber nicht ausgeschlossen, dass Tegel „final“ vom Netz genommen wird.  

„Ich habe einen klaren Auftrag vom Aufsichtsrat bekommen. Deshalb werden wir noch heute den Antrag stellen“, so Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Der Aufsichtsrat habe sich ohne Gegenstimmen dafür ausgesprochen, dass die vorübergehende Entbindung von der Betriebspflicht beantragt wird. Die Gesellschafterversammlung, die danach tagte, habe die Möglichkeit einzugreifen, nicht wahrgenommen.

Flughafenchef will Kosten sparen

„Mir geht es nicht darum, Tegel zu schließen, sondern den Steuerzahlern Kosten zu ersparen“, so der Flughafenchef. Ihm sei es in seiner Position schwer gefallen, die Schließung eines Flughafens anzustreben. Doch in seiner Verantwortung als Geschäftsführer sehe er keinen anderen Weg, sagte Lütke Daldrup.

Während der Corona-Krise seien auch in Tegel die Passagierzahlen stark gesunken.  Zuvor hatte die Flughafengesellschaft mitgeteilt, dass während der ersten drei April-Wochen in Tegel und Schönefeld nur noch insgesamt rund 17.000 Passagiere abgefertigt wurden– im Vergleich zu zwei Millionen im selben Zeitraum des Vorjahres. Inzwischen werden beide Flughäfen täglich von weniger als 1.000 Fluggästen genutzt statt wie früher von rund 100.000.

In jedem Monat müsse die FBB rund zehn Millionen Euro dafür aufwenden, Tegel offen zu halten. Wenn der Betrieb eingestellt würde, Tegel dennoch die ganze Zeit über funktionsfähig gehalten würde, ließen sich sieben Millionen Euro einsparen. Ursprünglich war geplant, Tegel erst am 8. November 2020 vom Netz zu nehmen – wenige Tage nach der Inbetriebnahme des neuen Hauptstadt-Flughafens BER, die unverändert am 31. Oktober beginnen soll. Doch die Pandemie zwinge dazu, den Zeitplan für Tegel zu ändern, hieß es.

Ob Tegel nach der temporären Betriebseinstellung noch einmal öffnen wird, blieb unklar. „Wenn im Juni der Flugverkehr wieder zunimmt und der Flughafen gebraucht wird, gibt es natürlich keine Schließung“, sagte Lütke Daldrup am Mittwochabend.   

Verkehrsministerium schwenkt um

Ende März war die Umsetzung des Schließungsplans noch am Widerstand des Bundesverkehrsministeriums gescheitert. Die Behörde von Minister Andreas Scheuer (CSU) legte ihr Veto ein. Flughäfen gehörten zur kritischen Infrastruktur, die in einer Pandemie nicht geschlossen werden dürften, hieß es. Doch zuletzt hatte das Ministerium klar gemacht, dass es eine temporäre Schließung nicht mehr konsequent ablehnen werde.

Zwar kommt die Gesellschafterversammlung in 14 Tagen erneut zusammen, um die Lage zu bewerten. Für das jetzige Vorgehen der FBB sei ein Aufsichtsratsvotum erforderlich, mehr nicht, betonte Lütke Daldrup.

SPD-Fraktionsvize Jörg Stroedter bekräftigte seine Forderung, dass Tegel „gleich ganz geschlossen werden sollte“. Angesichts der Finanzprobleme der FBB wäre ein Weiterbetrieb unverantwortlich. Sein Fraktionskollege Daniel Buchholz lobte Schönefeld, wo der Flugverkehr konzentriert wird: „24-Stunden-Betrieb, separate Behandlungsräume für medizinische Krisenfälle und ein eigenes Frachtzentrum.“ Für die rund 300.000 Tegel-Anlieger gäbe es „endlich Ruhe“. Verkehrspolitiker von CDU und AfD sowie Airlines wie Lufthansa kritisierten den Schließungsplan.

Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung der Berliner Zeitung. Den kompletten Text lesen Sie hier

Datum: 29. April, Text: Peter Neumann (mit AFP), Bild: imago images/Jürgen Ritter