Berliner Wirtschaft: Gemeinsam gegen die Corona-Krise

Unternehmer helfen Unternehmern

Online-Plattform „Unternehmer helfen Unternehmern“ bündelt Ideen und Hilfe.

Eine Ledermanufaktur sattelt um auf Mundschutzmasken und verkauft sie zum Sonderpreis an Rettungskräfte, Polizisten, Lieferdienste und Gastronomen. Ein Softwareanbieter richtet gratis einen Gutschein-Shop für Hotels und Restaurants ein, um diesen durch die Konsumflaute zu helfen. In Zeiten der Pandemie dringen Initiativen und Kooperationen aus der Berliner Wirtschaft an die Öffentlichkeit, die manch einer nicht für möglich gehalten hätte. Doch in diesen Tagen scheint vieles möglich.

Vorangetrieben wird das Ganze durch die Online-Plattform „Unternehmer helfen Unternehmern“, die die IHK Berlin kurz vor den Ostertagen ins Leben gerufen hat. Dort können Unternehmer Angebote jeglicher Art hinterlassen, um andere Akteure zu unterstützen. Zugleich können dort konkrete Hilfsmöglichkeiten angefragt werden. Bei Redaktionsschluss wurden knapp 200 Angebote und vier Gesuche gezählt. Zuvor hatte es seit Ende März eine abgespeckte Version der Aktion auf der IHK-Website gegeben.

Dienstleistungen erhalten

„Uns geht es nicht ums Verdienen, wir wollen helfen“, sagt René Busch von der Almano Ledermanufaktur. Die Entscheidung, vorübergehend Atemschutzteilchen herzustellen, sei kurzfristig gefallen. Ein Anstoß dafür seien Berichte über akute Masken-Knappheit bei der Berliner Polizei gewesen. Aber auch denen, die beispielsweise als Essenslieferanten oder Paketboten die Servicewelt am Laufen halten, wollen die Lederexperten unter die Arme greifen.

„Damit Restaurants und Hotels nicht völlig ohne Kunden dastehen, müssen sie nach neuen Lösungen suchen und neue Kontakte aufbauen“, sagt Michael Jarugski. Etliche Reservierungen und Buchungen seien seit Ausbruch der Corona-Krise storniert worden. Um den Betrieben dennoch Einnahmen zu ermöglichen, bietet sein Softwareunternehmen Hot!Tec die besagten Gutschein-Shops an.

Bei vielen, zunächst als kostenlos deklarierten Angeboten geht es auch darum, die eigenen Produkte bekannter zu machen und im weiteren Verlauf womöglich doch Geld zu verdienen. So setzt Hot!Tec die Gutschein-Shops zwar kostenlos auf, verdient aber an jeder Transaktion. Dennoch kann nicht bestritten werden, dass viele Teilnehmer der Aktion über den eigenen Tellerrand blicken. Womöglich profitiert der Wirtschaftsstandort Berlin langfristig von dieser Innovations- und Vernetzungsbereitschaft.

Langfristiger Ansatz

Das hofft man jedenfalls bei der IHK. „Die Idee für das Ganze kam aus dem Kreise der Unternehmer“, sagt Meike Al-Habash von der IHK. Ein Zeitfenster gebe es nicht, das Angebot soll über den Shutdown hinaus bestehen bleiben.

„Wir richten uns ganz nach den Bedürfnissen der Unternehmer.“ Ob das gemeinsame Nutzen von Ressourcen, die Stärkung von Kooperationen oder das gemeinsame Entwickeln von neuen, zumal digitalen Geschäftsmodellen: Es sei zu wünschen, dass die Plattform dazu beiträgt, das Gemeinschaftsgefühl, das die Berliner Wirtschaft jetzt beweist, auch nach der Krise zu erhalten, so Al-Habash. „Von den Lerneffekten profitieren alle Beteiligten“, sagt sie. „Ein Mehr an Zusammenarbeit, gerade in Hinblick auf neue Geschäftsmodelle, stand schon länger auf der Agenda, doch Corona hat diesen Bedarf noch deutlich erhöht.“

Datum: 26. April 2020. Text: Nils Michaelis. Bild: Bild: Getty Images Plus/iStock/aelitta