Lastenräder für engagierte Helfer

Das Verleihsystem fLotte bringt Menschen zusammen und fördert Ideen.

Aktuell können die kostenfreien Lastenräder der fLotte, einer Initiative des ADFC Berlin, nicht wie gewohnt verliehen werden, da im Zuge der Corona-Präventionsmaßnahmen viele Ausleihstationen geschlossen sind. Immer mehr Bezirke unterstützen daher die neu initiierte „fLotte Coronahilfe“ dabei, die Räder für gemeinnützige Projekte zur Verfügung zu stellen. „Zwar ist fast die Hälfte unserer Räder von den Bezirken über das Senatsprogramm ’fLotte kommunal’ finanziert, aber es gibt eben auch noch die andere Hälfte“, klärt Katha Kalandyk von der „fLotte Coronahilfe“ auf. Die Räder dieser anderen Hälfte werden der fLotte von Privatpersonen, Unternehmen oder anderen Initiativen zur Verfügung gestellt. „Ich mag diese Unterscheidung gar nicht wirklich treffen: ein fLotte-Rad ist ein fLotte-Rad.“

Guter Zweck

Auch wenn zwischendurch ein Großteil dieser Lastenräder in den unfreiwilligen Frühlingsschlaf geschickt wurde, sind rund 40 aktive Räder für den guten Zweck unterwegs. Am 15. März hatte das Verleihsystem dazu aufgerufen, die Räder beispielsweise in Nachbarschaften gemeinschaftlich zu nutzen und sich in Zeiten von Corona gegenseitig zu unterstützen. „Wir wollten die Räder, die wir aktuell nicht im Verleih haben, zurück auf die Straße bringen“, bekräftigt das Hilfsprojekt. Als erstes habe sich die Gruppe Rebel Riders der Extinction Rebellion gemeldet, die seitdem die Berliner Tafel unterstützt und Lebensmittel an Bedürftige liefert. Da die meisten Ausgabestellen der Tafel aufgrund der Corona-Pandemie schließen mussten, hat die Einrichtung einen Lieferdienst auf die Beine gestellt. „In Hellersdorf haben die Rebel Riders kaum Fahrer für die Gegend gefunden“, erzählt Katha Kalandyk. Fahrer aus anderen Bezirken hätten extra den weiten Weg auf sich genommen, um zu helfen, schildert die Organisatorin begeistert. „Es gibt aber nicht nur die großen Gruppen, sondern auch kleine, die der Tafel lokal in ihrer Nachbarschaft helfen“, ergänzt Kalandyk. Weitere Räder seien im Dienst der Nachbarschaftshilfe unterwegs. „Wir unterstützen zum Beispiel ein Hausprojekt. Da kauft dann einer für alle im Haus ein.“

Mobile Bibliothek

Eine schöne Idee sei außerdem die mobile Minibibliothek von Nutzerin Elisabeth. Auch wenn die Bibliotheken geschlossen seien, der Hunger nach Lesegut sei dennoch vorhanden, so die Erkenntnis der engagierten Frau. Daraufhin startete sie über das Portal nebenan.de einen Aufruf und sammelte Bücher, die sie in der Kiste des Lastenrades sortierte. „Die Idee kam unheimlich gut an und war wie ein Samen auf fruchtbarem Boden“, bestätigt Kalandyk. Pro Woche fährt Elisabeth drei unterschiedliche Stationen an. „Es kommen immer wieder neue Bücher rein, werden herausgenommen und getauscht – natürlich immer unter Wahrung der Kontaktregeln.“

Positive Bilanz

Zudem seien Fahrer in Sachen Obdachlosenhilfe unterwegs, um Essen zu verteilen, „oder sie fahren Gabenzäune an, um in der Nachbarschaft gesammelte Spenden abzuliefern.“ Seit dem Start der Coronahilfe fungiert die fLotte außerdem als Bindeglied. Katha Kalandyk: „Viele schreiben uns an und fragen, wo sie sich engagieren können. Wir leiten die Anfragen dann weiter. Auf diese Art konnten wir viele Kontakte herstellen. Es gibt einen großen Bedarf an diesen Verknüpfungen von Hilfegesuchen und denen, die helfen wollen.“ Vandalismus an den frei herumstehenden Rädern habe man bisher kaum erlebt, bestätigt der Verleih. „Dafür, dass unsere Räder so präsent sind, sind unsere Erfahrungen positiv. In vielen Kiezen gehören die praktischen fLotte Lastenräder einfach zum täglichen Leben und deshalb passt man gut auf sie auf“, bestätigt sie. Und das nicht nur während der Corona-Krise. 

Ideen gefragt

Das Team der fLotte Berlin sucht weiterhin nach Ideen und engagierten Menschen, die auch in ihrer Nachbarschaft gemeinnützige Projekte durchführen wollen. Interessierte können sich unter coronahilfe@flotte-berlin.de melden.

 

Datum: 22. April 2020, Text: Lisa Gratzke, Bild: fLotte Berlin