Berlin-Neukölln: Bezirk übt Vorkaufsrecht beim „Luftbrückenhaus“ aus

Die Genossenschaft Beamten-Wohnungs-Verein zu Berlin wird neuer Eigentümer des Häuserblocks.

Gut zwei Monate lang haben die Mieter des Häuserblocks Leine-/ Ecke Oderstraße in Neukölln gebangt, wer neuer Eigentümer ihrer Wohnungen wird. Jetzt steht fest: Der Bezirk Neukölln hat das Vorkaufsrecht für die 164 Wohnungen des sogenannten Luftbrückenhauses ausgeübt – zugunsten der Genossenschaft Beamten-Wohnungs-Verein zu Berlin. Das teilte Neuköllns Stadtrat für Stadtentwicklung, Jochen Biedermann (Grüne), am 16. April mit. Damit hat Neukölln zum dritten Mal in diesem Jahr sein Vorkaufsrecht ausgeübt. Nach Anzahl der Wohnungen ist das „Luftbrückenhaus“ das bisher größte Objekt.

Bombastisches Gefühl

Die Mieter zeigen sich nach acht nervenaufreibenden Wochen erleichtert. „Damit wurden nicht nur wir gerettet, sondern langfristig bezahlbarer Wohnraum erhalten“, sagt eine Bewohnerin. Nach Angaben der Mieter hat der Bezirk durch die Ausübung des Vorkaufsrechts verhindert, dass eine Luxemburger Briefkastenfirma neuer Eigentümer wird, hinter der sich der Großeigentümer Pears Global mit mehr als 3000 Wohnungen in Berlin verbergen soll.

„Unsere Zukunft hat uns große Sorgen bereitet, seit wir vom Kauf durch Pears wussten“, berichtet ein Bewohner. Das Unternehmen versuche seit Jahren, die Kiezkneipe Syndikat in der nahen Weisestraße zu räumen. „Zu wissen, dass in diesen unsicheren Zeiten nun zumindest unsere Wohnungen sicher sind, ist ein bombastisches Gefühl“, sagt eine andere Mieterin.

Nicht rechtskräftig

Der für das Vorkaufsrecht zuständige Stadtrat Biedermann bedankte sich am Donnerstag bei der Genossenschaft und sagte: „Ich freue mich sehr, dass Genossenschaften sich zunehmend engagieren. Gemeinsam können wir den Ausverkauf Berlins aufhalten.“ Noch allerdings ist die Entscheidung des Bezirks zur Ausübung des Vorkaufsrechts nicht rechtskräftig. Verkäufer und ursprünglicher Käufer haben die Möglichkeit, Widerspruch gegen die Entscheidung einzulegen oder vor Gericht zu ziehen. „Nun heißt es abwarten, ob das Verfahren in die Verlängerung geht oder die Mieter schnell Sicherheit haben werden“, sagt Biedermann.

 

Datum: 19. April 2020, Text: Ulrich Paul/Redaktion, Bild: imago images/Stefan Zeitz


Der vollständige Beitrag Neukölln übt Vorkaufsrecht beim „Luftbrückenhaus“ aus erschien am 17. April 2020 unter
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