Mieter in Pankow dürfen endlich aufatmen

Bezirk Pankow hat das Vorkaufsrecht gleich für zwei Mietshäuser wahrgenommen.

Die Mieter im Eckhaus Stargarder Straße 65, 66/ Lychener Straße 67 dürfen sich freuen. Und aufatmen. Im Rahmen eines Vorkaufsrecht-Verfahrens konnte sich der Bezirk die Immobilie samt ihrer 28 Wohn- und fünf Gewerbeeinheiten sichern. Das Grundstück befindet sich im Geltungsbereich des Areals Helmholtzplatz, für das die Erhaltungsverordnung gilt. Die Immobilie wurde der jungen Wohnungsbaugenossenschaft „Am Ostseeplatz“ übertragen.

Aktive Einmischung

Für die Mieter des Eckgebäudes in Prenzlauer Berg bedeutet dies das erfolgreiche Ende eines engagierten Kampfes. Nachdem bekannt geworden ist, dass ihr Haus womöglich an einen Immobilienfond veräußert werden könnte, wurden sie aktiv und nahmen mit dem zuständigen Amt für Stadtentwicklung sowie Vertretern der Bezirkspolitik Kontakt auf. Außerdem beauftragten sie auf eigene Kosten ein Gutachten zur Wertermittlung und bereiteten eine eigene Genossenschaftsgründung vor. Diese Tatsache war am Ende auch der Grund, dass die Wohnungsbaugenossenschaft „Am Ostseeplatz“ als Drittkäuferin von den Mietern der vom Bezirk favorisierten kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Gesobau vorgezogen wurde.

Auf Reisen

Der Baupolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Andreas Otto, gratulierte den erfolgreichen Mietern: „Sie haben es geschafft, dass ihr Haus nun ihnen selbst und einer Genossenschaft gehört. Mein besonderer Dank gilt der Genossenschaft Ostseeplatz. Sie hat einmal mehr gezeigt, dass die Übernahme von Wohnhäusern in die eigene Verantwortung möglich und finanzierbar ist. Die Stargarder Straße 65 mit 28 Wohnungen ist ein Positivbeispiel für Selbstorganisation und Selbsthilfe in der Wohnungspolitik. Davon brauchen wir mehr in Berlin und in Pankow. Die Stargarder Straße 65 kann dafür Blaupause sein. Denn der Weg hat im Rahmen des engen gesetzlichen Zeitfensters von zwei Monaten hervorragend funktioniert.“

Schriftliche Verpflichtung

Ebenfalls 28 Wohnungen zählt das Haus mit der Nummer 29 in der Hadlichstraße. Das Haus liegt im sozialen Erhaltungsgebiet „Pankow Zentrum“. Es handelt sich um ein über das Wohnungsbauprogramm Berlin 1991 öffentlich gefördertes Objekt. Aus dem Vertrag resultieren aktuell noch Bindungen über die Besetzungs- und Belegungsbindung, deren Ablösung durch Rückzahlung des Aufwendungszuschusses bereits im vorliegenden Kaufvertrag festgelegt wurde.

Das landeseigene Wohnungsunternehmen Gesobau AG, zu dessen Gunsten die Immobilie erworben wurde, hat sich in einer schriftlichen Verpflichtungserklärung gegenüber dem Land Berlin beziehungsweise dem Bezirksamt bereit erklärt, das Gebäude als Mietshaus im Bestand zu halten, also kein Wohn- oder Teileigentum nach dem Wohnungseigentumsgesetz zu begründen. Ferner hat sie sich verpflichtet, das Gebäude nicht zurückzubauen, die bestehenden Nutzungen nicht zu verändern und bauliche Maßnahmen in Gestaltung des An- beziehungsweise Einbaus von Personenaufzügen zu unterlassen.

Datum: 16. April 2020 Text: Manfred Wolf Bild: Ulf Teichert