Berlin-Kreuzberg: Klar Schiff für’s Tempodrom-Dach

Schrubben und Flicken über den Dächern von Kreuzberg.

Die Firma Schwindelfrei aus Neukölln schickt sich in diesen Tagen an, das berühmte Zipfeldach des Kreuzberger Tempodroms auf Hochglanz zu polieren. „Alle drei Jahre putzen wir die Folie der Konstruktion. Neben der Reinigung sorgen Leute auch für Ausbesserung an den Schäden in der Oberfläche”, erläutert Hilmi Baykal, Chef des neunköpfigen Industriekletterer-Trupps. Zwei Zentimeter dick ist die Kunststoffbeschichtung auf dem Dach der berühmten Konzerthalle am Anhalter Bahnhof.

Putzen und reparieren

„Zur Reinigung reicht Wasser, etwas Putzmittel und ein  Schrubber an der Teleskopstange. Aber zur Behebung der Schäden, die hier unbefugte Kletterer und sogar Skater und Biker auf dem Dach anrichten, sind zwei unserer Kletterer allein 14 Tage lang beschäftigt. Da muss reichlich geflickt und geklebt werden”, sagt Baycal. So gefährlich wie es aussieht, sei der Job aber gar nicht. „Unsere Industriekletterer sind allesamt bestens ausgebildet und bei ihren Einsätzen optimal gesichert”, so Baycal. Einen ernsthaften Unfall habe er mit seinen Mitarbeitern noch nicht erleben müssen.

Mit der Leiter

Bleibt dennoch die Frage, wie denn nun der oberste Kletterring auf eine der Spitzen des 37 Meter hohen Daches gekommen sei – von hier aus führen schließlich alle Kletter- und Sicherungsseile hinab. Nein, solange geworfen, bis die Spitze mit dem Ring getroffen wurde, habe niemand: „Es gibt eine Dachluke zwischen den Zipfeln. Wenn man da aussteigt, kann man per Leiter bequem hochsteigen und den Ring überwerfen”, erklärt der Chef der Industriekletterer. Der Rest sei reine Arbeit mit  Knoten und Seilführungen. Für seine Mitarbeiter sei die Arbeit am mittlerweile 20 Jahre alten Tempodrom noch immer etwas Besonderes, obwohl man im Laufe der vergangenen Jahre bereits einige Erfahrungen, auch mit anderen tollen Einsatzorten, gemacht habe. „Wir waren schon auf dem Dach der Waldbühne und haben auch an der Kugel am Fernsehturm auf dem  Alexanderplatz gearbeitet”, erklärt der Kolonnen-Boss der Neuköllner Firma, dessen Mitarbeiter mit offensichtlichem Spaß und  Rap-Musik aus dem Ghetto-Blaster in den nächsten zwei Wochen noch auf dem Dach des Tempodrom tätig sein werden.

Datum: 15. April 2020, Text und Bild: Stefan Bartylla