Berlin: Heimspiel mit dem Deutschen Theater

Der Berliner Theatertempel streamt jetzt seine Erfolgsproduktionen

Da das Publikum vorerst nicht ins Theater kommen kann, kommt das Deutsche Theater zu ihm nach Hause: Innerhalb der Programm-Reihe “Heimspiel” werden Inszenierungen in voller Länge als Videostream  gezeigt, gibt es Einführungen sowie weitere Webformate. Jede Woche neu, jeweils am Dienstag und Donnerstag von 18 bis 12 Uhr des darauffolgenden Tages, können DT-Klassiker als Video-on-Demand bequem von Zuhause aus angesehen werden. Los ging es am7. April mit “Kinder der Sonne” von Maxim Gorki in der Regie von Stephan Kimmig.

9. April, 18 Uhr, bis 11. April 12 Uhr

Philotas

Regie Friedo Solter Bühne Hans-Jürgen Nikulka Kostüme Christine Stromberg Musik Reiner Bredemeyer
Mit Dieter Montag (Aridäus), Volkmar Kleinert (Strato), Ulrich Mühe (Philotas), Horst Manz (Parmenio)

Die Inszenierung feierte am 6. Oktober 1987 Premiere im Deutschen Theater.
Eine Fernsehproduktion des DDR Fernsehen

Geschichte/Hintergrund: Ein junger Prinz. Der erste Krieg. Die Lust aufs Abenteuer, der eigene Ehrgeiz, die Gier nach Ruhm und Bedeutung. Umso stärker verzweifelt Philotas an seiner schnellen Gefangennahme. Kaum verwundet. Dann erfährt er, dass sein Vater den Sohn des feindlichen Königs festgesetzt hat. Nun wäre der Weg frei zum wechselseitigen Austausch. Doch Philotas tötet sich – um seinem Vater in dem Konflikt einen Vorteil zu verschaffen. Lessings Einakter aus dem Jahr 1759 wird heutzutage vergleichsweise selten gespielt. Friedo Solter inszenierte ihn im Oktober 1987 auf der Bühne des Deutschen Theaters, mit Ulrich Mühe in der Titelrolle.

 

14. April, 18 Uhr, bis 15. April, 12 Uhr

Marat/Sade

von Peter Weiss

Regie Stefan Pucher Bühne Barbara Ehnes Kostüme Annabelle Witt Musik Christopher Uhe Video Meika Dresenkamp Künstlerische Leitung des Chors Christine Groß Coaching Puppen Hans-Jochen Menzel Dramaturgie John von Düffel Licht Matthias Vogel

Unter anderem mit: Felix Goeser (Marquis de Sade), Daniel Hoevels (Jean Paul Marat), Michael Goldberg (Simonne Evrard, seine Frau), Katrin Wichmann (Charlotte Corday), Bernd Moss (Duperret, Liebhaber Cordays)

Eine Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch” Berlin.
Die Premiere fand am 27. November 2016 im Deutsches Theater statt.

Geschichte/Hintergrund: Zu welchen Extremen sich der Individualismus entwickelt und wie radikal sich damit die Frage der gesellschaftlichen, politischen und religiösen Zugehörigkeit stellt, hatte Peter Weiss als 1965 sein Stück Marat/Sade uraufgeführt wurde, kaum ahnen können. Doch nicht nur das Spannungsfeld zwischen Individualismus und politischer Bewegung beschäftigt ihn, auch das Verhältnis zur Gewalt. Sein Marquis de Sade, Namenspatron des “Sadismus”, tut sich mit der realen Anwendung von Gewalt schwerer als der Ideologe Jean Paul Marat, Wortführer der französischen Revolution. Das Spektrum der Gewaltformen umfasst dabei nicht nur Staatsterrorismus, Säuberungen, Kriege und Folter, sondern auch die Gewalt der Straße. Was zu der vielleicht aktuellsten Frage führt, die Peter Weiss, der am 8. November 2016 hundert Jahre alt geworden wäre, mit seinem Stück stellt: Wer ist das Volk? Welches Maß an Mündigkeit ist ihm zuzutrauen, welche Gefahren der Manipulation und des Rückfalls in Barbarei bestehen? Und in welchem Dilemma zwischen Fortschritt und Rückschritt steht damit die Demokratie?

 

16. April, 18 Uhr, bis 17. April, 12 Uhr

Die Weber

von Gerhard Hauptmann

Regie Michael Thalheimer Bühne Olaf Altmann Kostüme Michaela Barth Musik Bert Wrede Dramaturgie Sonja Anders

Unter anderem mit: Peter Moltzen (Bäcker), Norman Hacker (Moritz Jäger), Harald Baumgartner (Der alte Baumert), Katrin Wichmann (Mutter Baumert / Luise, Gottlieb Hilses Frau), Claudia Eisinger (Bertha Baumert / Mielchen, Gottlieb Hilses Tochter)

Die Inszenierung feierte am 20. Januar 2011 Premiere im Deutschen Theater. Ausgezeichnet mit dem Nestroypreis und Wiener Theaterpreis als Beste deutschsprachige Aufführung
Eine Fernsehproduktion des ZDF

Geschichte/Hintergrund: Hauptmanns im schlesischen Dialekt geschriebene Schauspiel behandelt den Weberaufstand von 1844. Durch mechanische Webstühle und billig importierte Baumwolle sind die Arbeitslöhne gefallen, ist die Arbeitslosigkeit und Armut unter den Webern gestiegen. Der Fabrikant Dreißiger und sein Angestellter Pfeiffer wollen die Löhne noch weiter drücken und haben zudem kein Verständnis für die Klagen ihrer Arbeiter, was zur Revolte führt. Der Aufstand der Weber ist ein Akt der Notwehr, der Hunger treibt die Arbeiter zur Gegenwehr, die Verzweiflung zur Gewalt: Sie plündern die Villa Dreißigers, vertreiben die Bewohner, ziehen demonstrierend durch die Straßen. Schließlich wird Militär gegen sie eingesetzt, Schüsse fallen, der hilflosen Gewalt der Weber wird mit scharfen Waffen geantwortet.

Datum: 8. April 2020 Text: Manfred Wolf Bilder: Wolfhardt Theile, Arno Declair (2)