So bekämpft man Depressionen in Zeiten von Corona

Mit Ablenkung und digitalem Austausch gegen die Pandemie-Angst.

Das Coronavirus macht vielen Angst – und die soziale Isolation kann dieses Gefühl noch verstärken. Gerade für Menschen mit Depressionen ist das eine Belastungsprobe. Wie können sie gegensteuern? Aktiv bleiben und sich ablenken, lautet der Rat der Deutschen Depressionshilfe. Auch in Zeiten verordneter sozialer Isolation hilft der Austausch mit anderen: Depressive Menschen sollten viel mit Freunden und Familie sprechen. Allerdings darf es dabei nicht nur um das Thema Corona gehen. Bewegung ist wichtig, am besten draußen, sofern möglich. Auch wenn die Coronakrise gewohnte Tagesabläufe auf den Kopf stellt: Mehr zu schlafen oder länger im Bett liegen zu bleiben, ist für Menschen mit Depressionen nicht gut. Erschöpfungsgefühl und Depressionsschwere nehmen dadurch nicht ab, sondern werden mehr. Hilfreich ist ein detaillierter Tages- und Wochenplan.

Online-Beratung bietet Hilfe

Für Menschen ab 15 Jahren mit leichteren Depressionen bietet die Depressionshilfe ein kostenfreies Online-Selbstmanagement-Programm an. Es wird eigentlich durch einen Arzt oder Psychologischen Psychotherapeuten begleitet. Da jedoch manche Patienten in häuslicher Isolation sind und Ärzte an ihre Belastungsgrenzen stoßen, ist das in zwölf Sprachen verfügbare Programm nun für sechs Wochen auch so zugänglich. Die Anmeldung erfolgt formlos per E-Mail.

Senioren in der Corona-Krise besonders gefährdet

Die Gefahr, die die Corona-bedingte Isolation mit sich bringt – insbesondere bei älteren Menschen, zeigt auch eine aktuelle Datenanalyse der KKH Kaufmännische Krankenkasse. Demnach ist in der Generation 60 plus die Zahl der Versicherten mit ärztlich diagnostizierten Depressionen von 2008 auf 2018 um fast 35 Prozent gestiegen. Alarmierend außerdem: Der Anteil in dieser Altersgruppe ist mit 18,4 Prozent am höchsten. Zuletzt waren knapp 100.000 KKH-Versicherte ab 60 Jahre an einer Depression erkrankt, hochgerechnet auf ganz Deutschland seien das rund 3,3 Millionen Betroffene. Aufgrund der Corona-Krise rechnet die KKH mit einem weiteren Anstieg an Diagnosen – besonders bei Senioren: Da diese aufgrund ihres Alters und damit einhergehender möglicher Vorerkrankungen zur Corona-Risikogruppe gehören, haben sie nicht nur besonders stark mit Ängsten zu kämpfen, sondern müssen noch mehr als andere auf persönliche Kontakte verzichten, um sich nicht anzustecken.

Das können Angehörige tun:

  • Zuhören und sich nicht abwenden.
  • Symptome ernst nehmen und depressive Stimmungen nicht verharmlosen. Wie bei allen schweren Krankheiten sollte auch bei Verdacht auf eine Depression umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden. Weil es den Betroffenen oft schwer fällt, selbst einen Arzt zu kontaktieren, sollten Angehörige die Terminabsprache übernehmen und den Praxisbesuch am besten begleiten.
  • Besteht der Verdacht, dass sich ein Betroffener das Leben nehmen will, sollten Angehörige ihn darauf ansprechen. Keinesfalls sollten Verwandte versuchen, selbst professionelle Hilfe zu leisten, sondern so schnell wie möglich einen Arzt rufen.

Selbsthilfegruppen im Überblick

Darüberhinaus gibt es Online-Portale, auf denen sich von Depressionen Betroffene verbinden und gegenseitig helfen können. Dazu gehört auch die Selbsthilfegruppe „Du bist wichtig“, die im Juni 2017 gegründet wurde. “In unserer Gruppe unterstützen wir uns gegenseitig durch unseren Erfahrungsaustausch. Dies gibt vielleicht die Möglichkeit, gleich mehrere Lösungsansätze für alltägliche Situationen zu bekommen”, heißt es auf der Webseite. Dort finden Betroffene und ihre Angehörigen außerdem eine Datenbank an Selbsthilfegruppen, Kliniken und Beratungsstellen in der Umgebung.

Datum: 5. April 2020, Text: dpa/red, Bild: Tobias Hase/dpa-mag