Berlin-Tegel: Der Himmel schickt keine Fahrgäste

Taxifahrer vorm TXL

Corona-Virus: Taxifahrer am Flughafen Tegel warten vergebens auf Kundschaft.

Gähnende Leere, hochgestellte Stühle, geschlossene Shops und verwaiste Schalter an den Gates – es ist einsam geworden im Terminalgebäude des Flughafen Tegel. Seit Ausbruch der Corona-Epidemie landet oder startet hier kaum noch ein Flieger. Für gewöhnlich werden am TXL täglich bis zu 75.000 Fluggäste abgefertigt. „Wenn derzeit  Flugzeuge landen, sind das nur kleine Privatmaschinen mit sechs bis zehn Passagieren“, erklärt Taxifahrer Yussuf Ömer, der mit 60 anderen Kollegen am fast leeren Taxistand des Flughafens auf Kundschaft wartet. „Normalerweise stehen hier zu dieser Tageszeit immer 500 Taxen. Jeder wartet dann rund 40 Minuten auf den nächsten Job“, erklärt er. Das lohne sich, da eine Fahrt in die City mindestens 25 Euro bringe. „Wenn es weiter raus geht, gibt es natürlich entsprechend mehr Geld. Vier bis fünf solcher Fahrten schaffst du täglich. Das reicht, um über die Runden zu kommen“, erklärt er.

Katastrophale Umsätze

Doch seit Corona habe sich alles geändert. „Es ist eine Katastrophe“, sagt der 54-jährige Taxi-Kutscher. Bis zu sieben Stunden wartet er seit einigen Wochen an jedem Tag auf eine einzige Fahrt. „Seitdem hier kaum noch große Flieger landen, kommst du auf einen Stundenlohn von gerade mal drei Euro in der Schicht“, rechnet sein Kollege Hussein Kalik vor. Das sei weniger Verdienst, als der seines Bruders, der in der Türkei als Schafhirte arbeite. „Und der hat wenigstens noch was zu tun“, klagt Yussuf Ömer, der dieser Tage gemeinsam mit seinem Kollegen an der kurzen Autoschlange auf dem Taxistreifen stundenlang auf und ab spaziert. 50 Meter hin, 50 Meter zurück – ohne dass etwas passiert. Auf Kundenfahrt in die Berliner City traut sich Yussuf Ömer jedoch noch weniger. „Wenn du da überhaupt einen Fahrgast in einer Schicht aufgabelst, bringen die Touren dann doch nicht mehr als zehn Euro. Das reicht kaum, um die Spritkosten wieder reinzukriegen“, winkt er ab. Vor dem Flughafengebäude zu stehen sei aber immer noch besser, als zuhause zu hocken, sagt er. Da würde ihm die Decke auf den Kopf fallen.

Keine Angst vor Ansteckung

Angst, sich mit dem Virus bei einem der Fahrgäste anzustecken, haben die Taxifahrer allesamt nicht. „Wir sind doch schon gegen alle möglichen Viren abgehärtet“, sagt Hussein Kali mit einem in den Himmel gerichteten Blick. Fernes Brummen kündigt eine landende Maschine an. Aus dem Brummen wird Propellerklang, der auch diese Hoffnung auf mögliche Kundschaft ausradiert. „Wieder nur eine kleine Privatmaschine“, sagt Yussuf Ömer, der weiß, dass die wenigen Passagiere dieses Flugzeugs die Warteschlange vor seinem Taxi nur wenig voranbringen wird.

Datum: 30. März 2020, Bild und Text: Stefan Bartylla