Berlin-Lichtenberg: Nachbarschaftshilfe per App

Das Start-up Zwopr und der DRK-Kreisverband Müggelspree arbeiten zusammen.

Mit der kostenlosen App zwopr.com können Menschen zusammen finden, die sich gegenseitig helfen wollen. Das kleine Web-Programm kann gerade während dieser schwierigen Zeit Hilfe für Senioren vermitteln, die im Moment das Haus nicht verlassen können. Die App-Technik funktioniert ähnlich wie die Dating-App Tinder: Zur Registrierung tippen Helfer oder Hilfesuchende Wünsche, Fähigkeiten, Bedarfe, Angebote, Orte und Zeiten ein.

Die App sucht automatisch Übereinstimmungen heraus und vermittelt zwischen den Menschen. Was bei Tinder als „Matches“ bezeichnet wird und ein potenzielles Date nach sich zieht, bedeutet bei zwopr.com Hilfe, die im Extremfall auch Leben rettet: Medikamente besorgen, Lebensmittel einkaufen, mit dem Hund des Nachbarn Gassi gehen oder einfach am Telefon den Sorgen des Gesprächspartners lauschen – Hilfsbedarf ist gerade jetzt riesig.

Riesiger Zuwachs

Auch Menschen ohne Internetanschluss können bei Zwopr mitmachen: Die Krisenhotline „Helfen in Berlin“ des Kreisverbandes Müggelspree des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) vermittelt gerne auch telefonisch zwischen Menschen. Tausende Menschen haben sich inzwischen bei Zwopr.com registriert. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Teilnehmerzahl verzehnfacht. „Bei Zwopr kann jeder Helfer und Hilfesuchender sein. Man hilft sich gegenseitig, ob direkt oder über mehrere Ecken“, erklärt Bernhard Koller, einer der drei Geschäftsführer des Start-ups.

Win-win Situationen

Der Name dieser digitalen Nachbarschaftshilfe leitet sich vom englischen Wort „swop“, also „tauschen“ ab. Jeder Nutzer verfügt über ein Zeitkonto. Wer eine Stunde lang einem Nachbarn hilft, indem er zum Beispiel Besorgungen erledigt, dem wird Zeit gutgeschrieben. Die kann er wiederum selbst gegen Hilfe eintauschen. „Als wir auf zwopr.com stießen, überzeugte uns vor allem, dass hier jüngere Menschen über digitale Kanäle mit den Menschen in Kontakt kommen, die wenig Zugang zu sozialen Medien im Internet haben“, sagt Tristan Martens, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Müggelspree. Wer mag, darf natürlich auch ohne Gegenleistung helfen.

200 Kategorien haben sich die drei Münchner Gründer für ihre Plattform ausgedacht, aus denen sich Menschen ihre Angebote aussuchen können. Im Profil aller Teilnehmer wird angezeigt, wie oft jemand geholfen hat. Mitglieder können sich auch gegenseitig bewerten. Momentan bitten Hilfesuchende vor allem um Unterstützung beim Einkauf, bei der Essenzubereitung sowie der Kinderbetreuung. Auch bei der Betreuung ihrer Haustiere sind viele Menschen auf Hilfe angewiesen. „75 Prozent unserer Mitglieder sind zwischen 18 und 34 Jahre alt. Die Leute erkennen jetzt den Wert der Hilfe unter Nachbarn und dem eigenen Umfeld“, sagt Bernhard Koller.

Krisenhotline des DRK-Kreisverbandes Müggelspree: (030) 239 89 30 90

29. März 2020, 18 Uhr, Text: Stefan Bartylla, Bild: Zwopr