Mehr Platz für Radler: Pilotprojekte in Kreuzberg gestartet

Am Halleschen Ufer gibt es ab sofort temporär mehr Platz für Radler

Geringeres Verkehrsaufkommen durch Corona: Mehr Platz für Radler am Halleschen Ufer und in der Zossener Straße.

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bringen zwei Pilotprojekte zur vorübergehenden Einrichtung von Fahrradstreifen während der Coronakrise an den Start. So gibt es am Halleschen Ufer von Höhe Hallesches Tor bis Köthener Straße auf der Fahrbahn jetzt einen gesonderten Radweg und auf der Zossener Straße vor der Kreuzung Zossener Straße/Gitschiner Straße eine verbreiterte Aufstellfläche für Radler. Die Maßnahmen dienen zum Schutz. Sie sollen gewährleisten, dass die Sicherheitsabstände gemäß der Covid19-Eindämmungsverordnung auch beim Radfahren gegeben sind und könnten zeigen, inwieweit sich kurzfristig die Kapazität der urbanen Radverkehrsanlagen erhöhen lässt.

Schnelle Umsetzung

Am 22. März sei der Ansatz der Projekte entwickelt worden, teilt Felix Weisbrich, Straßen- und Grünflächenamtsleiter, auf Nachfrage mit. Bereits drei Tage später wurden die Maßnahmen vor Ort erörtert und direkt durch den Bezirk und seine Dienstleistungsfirma ausgeführt. Bei einer dauerhaften Anordnung eines Radweges würde der Prozess deutlich länger dauern, erklärt Weisbrich. „Im Regelverfahren 24 bis maximal 120 Monate.“ Damit sei die temporäre Erweiterung nicht zu vergleichen, „weil bei der dauerhaften Einrichtung von Infrastrukturen umfangreiche politische Willensbildungsprozesse, Beteiligungsverfahren und Planungsprozesse stattfinden müssen.“

Temporär mehr Platz für Radler

„Weiterhin steht den Berlinern mit der Nutzung des Fahrrades ein sicheres und gesundes Verkehrsmittel zur Gewährleistung notwendiger Mobilität und Bewegung an der frischen Luft zur Verfügung“, heißt es in der Pressemitteilung. „Diesem Verkehrsmittel wird nun temporär mehr Platz gegeben, auch um die Rahmenbedingungen für essenziell notwendige Fahrten in der gegenwärtigen Situation zu verbessern.“ Zusätzlich würden die Maßnahmen den öffentlichen Nahverkehr entlasten. Denn umso weniger Menschen in den S- und U-Bahnen unterwegs sind, umso leichter ist es natürlich, den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand einzuhalten und eine mögliche Ansteckung mit dem Coronavirus zu verhindern.

Deutlich weniger Kfz-Verkehr

Aktuell würden die Bürger vermehrt auf den sowieso schon beliebten Drahtesel zurückgreifen. Das Kfz-Aufkommen habe spürbar abgenommen, teilen die Behörden mit. Die Verkehrsflächen können dementsprechend genutzt werden, ohne dass dadurch Beeinträchtigungen oder übermäßige Staus für den Kfz- oder den Linienbusverkehr entstünden. Die Anordnung der Radwege erfolge als zeitlich für die Pandemie-Situation befristete Maßnahme, die nach einer Auswertung auch flächendeckender umgesetzt werden könnte. „Wir bekommen viel Rückmeldungen und Nachfragen aus anderen Bezirken. Insbesondere wird die Notwendigkeit gesehen, temporär dort Radverkehrsanlagen zu errichten, wo sich Radfahrende bisher schon in gefährlichen Situationen befanden und nunmehr noch weiter durch das Infektionsrisiko gefährdet werden, weil durch fehlende oder zu schmale Radwege die Einhaltung des Distanzgebotes von 1,5 Metern nicht gewährleistet werden kann“, führt Felix Weisbrich aus.

Weiterer Fortbestand

Sollten sich die gestarteten Projekte bewähren und auch über die Pandemie-Krise hinaus fortgesetzt werden, sei dazu später eine neue straßenverkehrsbehördliche Anordnung samt Anhörungsverfahren nötig. Laut Felix Weisbrich könnten diese Prozesse durch die gemachte Vorerfahrung in der jeweiligen Verkehrssituation jedoch deutlich schneller ablaufen. „Insbesondere bei den Straßenabschnitten, in denen bisher keine Radinfrastruktur vorhanden ist, halte ich es durchaus für möglich, dass die politische Forderung nach Versteigung der Anlagen dann zu entsprechenden Beschlüssen führt“, so Weisbrich. Dann wäre die Verwaltung aufgerufen, mit Auslaufen der Covid-19-Eindämmungsverordnung die temporären Maßnahmen zu beenden und gegebenenfalls durch dauerhafte Anordnungen zu ersetzen.

Kapazitäten effektiv nutzen

Die Behörden betonen, dass für die Einrichtung der Radwege keine Ressourcen eingesetzt wurden, die an anderer Stelle dringender benötigt würden. Das jetzt angelaufene Verfahren sei besonders agil und unterstütze das erwünschte mobile Arbeiten der beteiligten Beschäftigten, die aufgrund verminderter Auftragslage zudem freie Kapazitäten hätten.

Datum: 26. März 2020, Text: Lisa Gratzke, Bild: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.