Bildung: Wahre Pflege-Allrounder

Die Ausbildungswege in der Branche werden vielseitiger.

Wenn die Corona-Krise uns eines lehrt, dann dies: Pflegeberufe sind systemrelevant. Ohne Pfleger würde unsere Gesellschaft zusammenbrechen. Höchste Zeit also, den Pflegeberuf aufzuwerten und ihm mehr Anerkennung zu zollen.

Modernisierung notwendig

Schon vor Jahren ist eine Reform in Gang gesetzt worden, die die Pflegeausbildung modernisiert. In diesem Jahr, ab April, geht es nun an die Umsetzung: Durch das Pflegeberufe-Gesetz des Bundes entfällt die alte Aufteilung in Alten-, Kinderkranken- oder Krankenpflege. Die drei bisher getrennten Berufe der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege werden zu einer generalistischen Berufsausbildung zusammengeführt. Mit dem neuen Abschluss können die künftigen Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner in allen Bereichen der Pflege arbeiten. Der Abschluss ist europaweit anerkannt. Auch ein Pflegestudium wird eingeführt. Damit verändern sich die Ausbildungsinhalte. Vor allem in den letzten Monaten haben die Ausbilder mit Hochdruck an Lehrplan-Details für Schule und Praxis gefeilt, damit in den Ausbildungsstätten alles startklar ist.

Wichtige Praxis

Die neue Pflegeausbildung gliedert sich in theoretischen Unterricht (mindestens 2.100 Stunden) und eine praktische Ausbildung (mindestens 2.500 Stunden), die zum größten Teil beim Träger der Ausbildung absolviert werden. Die praktischen Einsätze durchlaufen mehrere Bereiche: die stationäre Akutpflege im Krankenhaus, die stationäre Langzeitpflege im Pflegeheim sowie die ambulante Akut- und Langzeitpflege (ambulanter Pflegedienst). Zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres ist eine Zwischenprüfung, zum Ende des dritten Ausbildungsjahres die staatliche Abschlussprüfung gesetzlich vorgeschrieben. Vor dem Ausbildungsjahr können die Auszubildenden wählen, ob sie den bisherigen Weg zur Pflegefachfrau/Pflegefachmann fortsetzen oder ob sie sich spezialisieren wollen. Die Spezialisierungen werden jedoch von wenigen Pflegeschulen angeboten und sind nur in Deutschland, jedoch nicht EU-weit anerkannt.

Baldiger Start

Der erste Jahrgang der neuen Pflegeausbildung startet in den allermeisten Ausbildungsstätten im Herbst, voraussichtlich am 1. Oktober. Einige Pflegeschulen in Berlin bieten zwei Ausbildungsdurchläufe pro Kalenderjahr an und starten mit dem ersten bereits im April. In den Bewerbungsportalen finden sich entsprechende Angebote. Die Bewerbungsphase für den Start im Herbst beginnt meist im Januar, für den Start im Frühjahr meist im Oktober des Vorjahres. Schon jetzt läuft die Bewerbungsfrist für die neuen Pflegestudiengänge ab dem kommenden Wintersemester, beispielsweise in der Charité-Universitätsmedizin. Der Bachelorstudiengang Pflege soll zur eigenverantwortlichen und professionellen Ausübung der Pflege befähigen. Der Studiengang ist, wie auch der Ausbildungsberuf, generalistisch ausgerichtet, das heißt, er qualifiziert für die allgemeine Pflege von Menschen aller Altersgruppen in verschiedenen pflegerischen Einrichtungen. Das siebensemestrige Studium führt zum akademischen Grad Bachelor of Science (B. Sc.) und zum Erwerb der staatlichen Berufszulassung im Gesundheitsfachberuf „Pflegefachfrau/Pflegefachmann“. Allein die Charité bietet 60 Studenten im Jahr die Möglichkeit, Pflege zu studieren.

Früh spezialisieren

Pflegewissenschaftler übernehmen nach ihrem Abschluss Jobs im Pflegemanagement, in der Beratung, der Aus- und Weiterbildung oder der Forschung. Je nachdem, wie die Schwerpunkte gesetzt werden, ergeben sich ganz unterschiedliche Betätigungsfelder. Nicht nur Pflegeeinrichtungen, sondern auch viele andere Unternehmen werden zu potenziellen Arbeitgebern: zum Beispiel die Verbände der Sozialversicherungsträger, Hochschulen, Krankenkassen, deren Verbände, Städte und Kommunen, Gesundheitsbehörden sowie nicht zuletzt die betriebliche Gesundheitsförderung und Personalpflege. Wer schon früh weiß, in welchem Bereich er später einmal arbeiten möchte, sollte die Weichen bereits vor oder während des Pflegestudiums stellen. Sieht man seine Zukunft zum Beispiel in einem Job bei der Verwaltung oder einer Krankenkasse, ist ein fundiertes juristisches Wissen von Vorteil.

Vielseitig aufgestellt

Zukünftige Personaldienstleister profitieren hingegen von psychologischen Qualifikationen, während Mitarbeiter im Qualitätsmanagement vor allem entsprechende organisatorische und betriebswirtschaftliche Fähigkeiten benötigen. Für alle, die ihre Zukunft in der Bildungsbranche sehen, sind hingegen zusätzliche pädagogische Qualifikationen unerlässlich. Wer in der Forschung oder im Bereich der Bildung arbeiten möchte, sollte einen Masterstudiengang der Pflegewissenschaften anhängen. Dieser ist nämlich Voraussetzung, um innerhalb von Universitäten, Fachhochschulen oder wissenschaftlichen Einrichtungen weiter aufzusteigen. Anders sieht es bei Jobs in Krankenhäusern oder Pflegeheimen aus; da diese eher praktisch und weniger wissenschaftlich orientiert sind, kann man sich hier mit genügend Motivation und beruflicher Erfahrung auch ohne Master den Weg in die Führungsetage erarbeiten.

Karrierechancen so hoch wie nie

Die Karrierechancen von studierten Pflegewissenschaftlern sind sehr gut. Das liegt an zwei gesellschaftlichen Entwicklungen. Zum einen sorgt die steigende Lebenserwartung der Menschen in den westlichen Industrienationen für einen hohen Bedarf an qualifizierten Pflegern. Da die Akademisierung in der Pflegebranche jahrzehntelang in Deutschland vernachlässigt wurde, sind es zum anderen vor allem Fachkräfte mit Hochschulabschluss, die nun ganz besonders stark nachgefragt werden.

Datum: 26. März 2020, Text: bäu, Bild: iStock/Getty Images Plus/monkeybusinessimages