Perlen für die Könige

Was die Weiße Elster so besonders macht.


Wir stellen Ihnen in der Serie „Naturwesen des Jahres“ 2020 Vertreter aus der heimischen Fauna und Flora vor, die vom Naturschutzbund (NABU) und anderen Verbänden als sogenannte „Jahreswesen“ auserkoren worden sind. Heute geht es um die Flusslandschaft des Jahres: die Weiße Elster.


Die Weiße Elster gilt als wichtigster Fluss Mitteldeutschlands. Sie durchfließt mit Gera, Zeitz oder Leipzig bedeutende Städte in den Bundesländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Sie hat ein Einzugsgebiet von etwa 5.300 Quadratkilometern, in dem mehr als 1,5 Millionen Menschen leben. Der 257 Kilometer lange Fluss entspringt südöstlich der Stadt Aš (Asch) in der Tschechischen Republik, wo er „Bélý Halštrov“ heißt, und mündet bei Halle in die Saale. Der Name „Weiße Elster“ hat nichts mit dem schwarz-weißen Rabenvogel zu tun. Im Slawischen heißt „Alstrawa“ „die Eilende“, daraus wurde später „Elster“.

Weite Hügellandschaften

Der Fluss ist eines der am stärksten belasteten Fließgewässer in Mitteldeutschland. Vom verbindlichen Ziel der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, bis spätestens zum Jahr 2027 einen „guten ökologischen Zustand“ zu erreichen, ist er weit entfernt. Das Licht der Welt erblickt die Weiße Elster in dem nach ihr benannten Elstergebirge. Dieses dem Westerzgebirge angegliederte Mittelgebirge fällt nach Süden hin ab in die weiten Hügellandschaften des Vogtlandes. Durchschnitten werden die Waldinseln im Hügelland durch die Täler der Göltzsch und der Weißen Elster. In Thüringen, wo ein Großteil ihres Mittellaufes liegt, stellt sich die Weiße Elster als gewässergeprägte Landschaft zwischen dem hügeligen Wald, den Offenlandschaften des Vogt- und Holzlandes und dem Altenburger Osterland dar.

Tierische Bewohner

Im Norden laufen die hügligen Landschaften zunehmend in breite Senken über. Die ausladenden Flusstäler der Weißen Elster, der Unstrut und der Saale prägen die Region im Burgenlandkreis. Es schließt sich die Beckenlandschaft der Leipziger Tieflandsbucht und nachfolgend des breiten Saale-Tals mit dem Mündungsgebiet an. So vielfältig wie die Landschaftsräume, durch die die Weiße Elster fließt, sind auch die Habitate und ihre pflanzlichen und tierischen Bewohner. Das Gebiet Saale-, Elster-, Luppe-Aue zwischen Merseburg und Halle ist beispielsweise durch Kalk-(Halb-)Trockenrasen und Steppenrasen geprägt. Hier lassen sich verschiedene besonders schützenswerte Orchideenarten ausfindig machen. Biber, Fischotter, Mopsfledermaus und das Graue Mausohr sind hier zu Hause. In den Uferzonen tummeln sich Vertreter der Rotbauchunke und des Nördlichen Kammmolches.

Größtes Vorkommen

Die Flusslandschaft der Weißen Elster hat eine besondere Bedeutung für die in der „Rote Liste Wirbeltiere“ des Freistaates Sachsen gelisteten Arten wie Baumfalke, Eisvogel, oder Wespenbussard. Engagierten ehrenamtlichen Naturschützern ist es zu verdanken, dass einzelne Exemplare der Flussperlmuschel in den Nebenbächen der Weißen Elster bis heute überlebt haben. Der Fluss war früher eines der Gebiete mit den größten Flussperlmuschel-Vorkommen weltweit. Die etwa zehn Zentimeter große Muschel kann bis zu 100 Jahre alt werden. Zahlreiche Perlen der sächsischen Könige stammen vom Oberlauf der Weißen Elster. Mehr Informationen sind online zu finden.

Datum: 19. März 2020 Text: M.Wolf Bild: imago images/Peter Endig