Der Grüne Pfeil wird in Berlin immer seltener

Grüner Pfeil in Berlin

Senat entfernt umstrittenes Abbiege-Signal an Ampelkreuzungen.

Der Grüne Pfeil zählt zu den wenigen Dingen, die die DDR überdauert haben und sogar auf die alte Bundesrepublik ausgedehnt wurden. Viele westdeutsche Autofahrer freuten sich, als das neue Signal im Frühjahr 1994 Teil der bundesdeutschen Straßenverkehrsordnung wurde und sie nunmehr an roten Ampeln nach kurzem Halt rechts abbiegen konnten. Der erste offizielle Grünpfeil im Westen wurde in Reinickendorf enthüllt. Im Jahr 2002 gab es etwa 5.000 Exemplare in Deutschland, davon 48 Prozent im Westen, weiß das Online-Lexikon Wikipedia.

Doch seit einigen Jahren ist der Grüne Pfeil, dessen Beitrag für die Verkehrssicherheit schon immer umstritten war, auf dem Rückzug. So auch in Berlin. Im Januar wurden die quadratischen Blechschilder an sieben Ampelkreuzungen abmontiert, wie die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz wissen ließ. Es handelt sich um die Bereiche Michael-Brückner-Straße/Sterndamm, Otto-Suhr-Allee/Cauer- und Leibnizstraße, Otto-Suhr-Allee/Eosanderstraße, Schlüterstraße/Mommsenstraße, Schnellerstraße/Fennstraße sowie Spreeweg/John-Foster-Dulles-Allee und Urbanstraße/Blücherstraße.

Schlechte Sicht

Der Verein Fuss e.V. setzt sich für die Rechte und Belange von Fußgängern ein und hatte die Senatsverwaltung darauf hingewiesen, dass die Grünen Pfeile auf dem Blechschild an diesen Stellen verkehrsgefährdend seien. Häufig sei die Sicht nach links für abbiegende Fahrer an den entsprechenden Kreuzungen verdeckt, zum Teil seien die Pfeile an Straßen mit zwei Rechtsabbiegespuren angebracht, was ebenfalls unzulässig sei. „Die Pfeile bringen Gefahren für Fußgänger, und sie untergraben die Verkehrsmoral, weil sie das Tabu brechen, dass man bei Rot grundsätzlich warten muss“, so Vereinsvorstand Roland Stimpel. Er hofft, dass in Berlin nun der Anfang vom Ende für die Rechtsabbiegerpfeile gekommen ist. Im Jahr 2018 habe es sie noch an 34 Kreuzungen gegeben.

Anhaltepflicht missachtet

Im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer hat die Technische Universität Dresden die Auswirkungen des Grünpfeils auf die Sicherheit an Kreuzungen und Einmündungen und der mit dem Grünpfeil versehenen Zufahrten untersucht. Die Unfallanalyse von 200 Knotenarmen habe gezeigt, dass in diesen Zufahrten mit Grünem Pfeil die mit Abstand höchsten Anteile nichtmotorisierter Unfallbeteiligter auftreten würden, heißt es in einem Medienbericht. Die Verhaltensbeobachtungen würden bestätigen, dass die Grünpfeilregelung von den Autofahrern gerne angenommen werde, der Anhaltepflicht dabei aber zu meist nicht nachgekommen werde. Befürworter des Grünen Pfeils wollen dessen Verbreitung erhöhen, weil er die Standzeiten der Fahrzeuge verringere und somit die Umwelt schone.

Datum: 12. März 2020. Text: Nils Michaelis. Bild: imago images/Seeliger