Kino-Matinee mit Thomas Heise: Nachdenken über die Zeit

Das Kino in der Brotfabrik in Weißensee zeigt Dokumentarfilm und lädt anschließend zum Gespräch

Im Rahmen des Themenjahres „30 Jahre Friedliche Revolution in Pankow“ veranstaltet das Bezirksamt in Kooperation mit dem Kino in der Brotfabrik am 8. März eine Filmmatinee mit dem Regisseur Thomas Heise. In Anwesenheit des Bezirksbürgermeisters Sören Benn (Die Linke) wird um 15 Uhr Heises jüngster Film „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ gezeigt, der 2019 auf der Berlinale Premiere feierte. Seither erhielt der Streifen mehrere internationale Preise, darunter den Deutschen Dokumentarfilmpreis und den Chantal-Akerman-Award des Jerusalem Film Festivals.

Erste Liebe

Im Anschluss an den 218-minütigen Film und nach einer kurzen Pause beginnt um 19 Uhr das Filmgespräch mit dem Filmemacher Thomas Heise, das der Filmhistoriker und -journalist Claus Löser moderiert. In seinem monumentalen Werk „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ untersucht Heise anhand von Briefen und Dokumenten seine eigene Familiengeschichte über vier Generationen hinweg. Es geht um Menschen, die einst zufällig zueinander fanden, dann einander verloren.


Thomas Heise

Deren verbliebene Kinder und Enkel jetzt verschwinden. Es geht um Sprechen und Schweigen. Erste Liebe und verschwundenes Glück. Väter, Mütter, Söhne, Brüder, Affären, Verletzung und Glück in wechselnden Landschaften, die verschiedene, einander durchwuchernde Spuren von Zeiten in sich tragen. Sprache und Bilder verbinden sich dabei zum eindringlichen Porträt einer Familie, eines Landes und eines Jahrhunderts.

Große Aufmerksamkeit

Thomas Heise, Sohn der Germanistin Rosemarie Heise und des Philosophieprofessors Wolfgang Heise, wurde 1955 in Ost-Berlin geboren und ist seit 1982 kontinuierlich als Dokumentarfilmer, Autor und Theaterregisseur aktiv. Der Titel seines ersten Dokumentarfilms von 1980 „Wozu denn über diese Leute einen Film?“, der während seines Regiestudiums an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg entstand, ist bezeichnend für sein Schaffen. Heise richtet seither stets seine Aufmerksamkeit und seine Kamera auf das, was viele andere gern ausblenden.

Von der DEFA-Stiftung wurde Heise 2002 mit dem Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst geehrt. Von 2007 bis 2013 war er Professor für Film an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Seit 2013 ist er Professor für Kunst und Film an der Akademie für bildende Künste Wien. Tickets sind erhältlich für zehn, ermäßigt acht Euro in der Brotfabrik, Caligariplatz 1. Mehr Informationen online.

Datum: 6. März 2020 Text: Manfred Wolf Bilder: gmsfilms/Inge Zimmermann