Berlin-Reinickendorf: Stinkendes Abwasser nervt Anwohner

Veraltete Rohrleitungen sorgen für Probleme in der Cité Guynemer.

Weil die Abwasserleitungen in der Cité Guynemer völlig veraltet sind, stehen bei Anwohnern gerade nach starkem Regenguss immer wieder Fäkalien im Keller. Viele von ihnen hatten an mehreren Tagen im Januar mit der stinkenden Brühe zu kämpfen. Eine Lösung des viele Jahre alten Problems liegt in weiter Ferne.
Technisch veraltet.

Das Quartier mit Doppel- und Reihenhäusern sowie mehrgeschossiger Zeilenbebauung liegt nördlich des Flughafens Tegel. Zwischen 1953 und 1954 wurden dort insgesamt 227 Wohnungen für das Personal der französischen Luftwaffe errichtet. Bis heute entstanden insgesamt 499 Wohnungen. Bei den Straßen handelt es sich um Privatstraßen. Diese entsprechen nicht den heutigen technischen Standards. Für die Abwasserprobleme sind nicht die Berliner Wasserbetriebe zuständig, sondern die privaten Eigentümer.

Überlastetes Pumpwerk

Den größten Teil der Flächen hat das Unternehmen Cité West-Immobilien von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übernommen. Die Kellerüberschwemmungen hängen auch damit zusammen, dass das örtliche Pumpwerk überfordert ist. Im Dezember hat die Cité-West gegenüber den Wasserbetrieben nach einer gemeinsamen Begehung zugesichert, das Pumpwerk zu sanieren. Wann es dazu kommen wird, wurde bislang nicht bekannt. Zudem soll ein Fachunternehmen beauftragt werden, das bei Havarien mit einem 24-Stunden-Notdienst erreichbar ist. Dies ist bislang nur an Werktagen der Fall.

Neben den privaten Eigentümern, die über Jahre nichts unternommen haben, um das Abwassersystem zu sanieren, steht auch die Bezirksverwaltung in der Kritik. Diese erteilte jahrelang Genehmigungen für Neubauten, obwohl die Probleme längst bekannt waren. Bezirksbürgermeister Frank Balzer erklärt hierzu, dass die gesetzlichen Vorgaben hierfür gegeben gewesen seien und die zuständige Behörde somit keine andere Möglichkeit gehabt habe.

Neuer Bebauungsplan 

In der Bezirks- und Landespolitik mehren sich Forderungen, die Privat- zu öffentlichen Straßen umzuwidmen, damit die Wasserbetriebe endlich tätig werden können. Für den Abgeordneten Jörg Stroedter hat die Avenue Mermoz als Hauptstraße oberste Priorität. Balzer sieht dafür gegenwärtig kaum Möglichkeiten. Dafür müssten erst die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, so der CDU-Politiker. „Dies kann nur über einen entsprechenden Bebauungsplan erfolgen. Im derzeitigen Bebauungsplanentwurf sind die Straßen als Privatstraßen gekennzeichnet. Der Bebauungsplanentwurf ruht, bis die endgültige Schließung des Flughafens Tegel vollzogen ist.“

Kritiker werfen dem Rathauschef vor, das Thema auf diese Weise aussitzen zu wollen. Der Stadtplanungsausschussvorsitzende Ulf Wilhelm (SPD) spricht dem Bezirksamt den Willen ab, den Anwohnern zu helfen: „Der Vorschlag des Bezirksbürgermeisters, einen Fäkalientank als Zwischenspeicher einzurichten, kann nicht die Lösung sein.“

Die SPD-Bezirksfraktion macht sich dafür stark, keine weiteren Baugenehmigungen zu erteilen, solange die Untersuchung des privaten Abwasserkanalnetzes durch die Berliner Wasserbetriebe nicht abgeschlossen ist und ein positives Ergebnis zur Kapazität vorliegt. Die FDP-Fraktion schlägt vor, durch ein Mediationsverfahren eine Lösung herbeizuführen, die für alle Beteiligten akzeptabel ist. Der entsprechende Antrag wurde vom Bezirksparlament in den Stadtplanungsausschuss überwiesen.

Datum: 6. März 2020. Text: Nils Michaelis. Bild: imago images/Jürgen Ritter.