Prenzlauer Berg: Jede Menge Zoff ums neue Jahn-Stadion

Umgestaltungspläne des Jahn-Sportparks fordern bei Anwohnern Widerstand heraus

Dieser Weg wird kein leichter sein! Die Titelzeile eines Liedes des Popbarden Xavier Naidoo umreißt in etwa die Schwierigkeit dessen, was sich nicht nur der Verein Freunde des Mauerparks fest vorgenommen hat: sich aktiv in die Neuentwicklung des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks einbringen und den Berliner Senat in seinem Ziel unterstützen, „eine informelle Sportnutzung, den Breitensport und vor allem Inklusion an diesem Standort“ zu verstetigen und zu stärken. Da hat sich’s dann aber schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn im Rahmen einer Online-Befragung über die Wünsche der Nutzer des Sportparks wurde eine Machbarkeitsstudie veröffentlicht, die „für ein Fachpublikum geschrieben und für die breite Öffentlichkeit nicht gut verständlich ist“, wie Alexander Puell vom Verein Freunde des Mauerparks kritisiert.

Keine Transparenz

Was den Verein und inzwischen auch viele andere Akteure aus dem Umfeld des Jahn-Sportparks allerdings wirklich ärgert, ist etwas ganz anderes: „Mit völligem Unverständnis nehmen wir zu Kenntnis, dass die Sportverwaltung bei der Planung des neuen Zweitliga-Fußball tauglichen Stadions im Gegensatz zum restlichen Sportpark bisher kein Beteiligungsverfahren anstrebt, ja sogar einen privaten Betreiber in Betracht zieht. Die Online-Umfrage nimmt keinerlei Bezug auf die aktuellen Pläne zum großen Stadion, obwohl die möglichen Auswirkungen auf die Nutzer des Sportparks und die Auswirkungen auf die Nachbarschaft ganz wichtige Aspekte sind“, heißt es in einem offenen Brief des Vereins. „Wir werden diese Hinterzimmerpolitik nicht akzeptieren und uns aktiv für eine umfangreiche Bürgerbeteiligung auch beim großen Stadion einsetzen“, ergänzt Alexander Puell.

Überraschende Mitteilung

Scheint so, dass sich der Landessportbund Berlin (LSB) doch noch einmal anders positionieren muss. Natürlich begrüßt dessen Präsident, Thomas Härtel, die Pläne des Senats, „den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark zu einem inklusiven Sportpark zu entwickeln, um Menschen mit und ohne Behinderung den Zugang zu Sport und Bewegung zu ermöglichen.“ Doch was Bürger kritisieren, sieht der LSB längst realisiert. So heißt es in einer Stellungnahme: „…Vereine, Schulen, Kitas, individuell Sporttreibende, die Anwohnenden sowie die zuständigen Behörden, wurden aktiv in die Gestaltung der Zukunft des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks einbezogen.“

Da war wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens. So erfuhr beispielsweise der Bürgerverein Gleimviertel bei einem Treffen mit der Senatssportverwaltung eher zufällig von einem Verkehrsgutachten. In dem werde die grundsätzliche Machbarkeit der verkehrlichen Erschließung für ein 20.000 Zuschauer fassendes neues Stadion untersucht und bestätigt. „Diese Mitteilung überraschte nicht nur uns“, lässt sich der Verein vernehmen. „Auch die von uns befragten Bezirksverordneten wussten nichts von der Existenz dieses fortgeschriebenen Verkehrsgutachtens.

Petition gestartet

Auf Nachfrage musste Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn in der letzten Woche einräumen, dass ein solches Gutachten bereits seit Juli 2019 im Bezirksamt vorliegt. Das ist ein vollkommen inakzeptabler Umgang mit der Bürgerschaft.“ Für diese Art von Intransparenz ist der genannte Bezirksstadtrat von den Grünen bekannt und gefürchtet. Geht es nach den Planern, sollen demnächst auf dem Gelände des Jahn-Sportparks jede Menge Bäume gefällt werden. Der Protest dagegen hat sich formiert. Eine auf openpetition gestartete Eingabe an die Senatssportverwaltung gegen die Rodungen hat bereits mehr als 1.600 Unterstützer. Und täglich werden es mehr.

Datum: 5. März 2020 Text: Manfred Wolf Bilder: imago images/Schöning, SpOrtconcept