Touristen sollen von Friedrichshain-Kreuzberg nach Steglitz-Zehlendorf

Bezirke wollen durch U-Bahn-Kampagne Radfahrer in den Berliner Südwesten locken.

Mit ihrem multikulturellen Charme und einem umfangreichen Party-Angebot stellen die Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg für viele ein Konglomerat dessen dar, was die Hauptstadt so besonders macht. Ein Ausflug ins grüne und kulturell ansprechende Steglitz-Zehlendorf steht wahrscheinlich nur selten auf dem Plan. Das soll sich ändern: Um Touristenströme zu entzerren und Einheimische zum Blick über den eigenen Kiez zu bewegen, stellten Vertreter der Bezirke und visitBerlin am U-Bahnhof Warschauer Straße kürzlich eine gemeinsame U-Bahn-Kampagne vor, die das Augenmerk von den „Hot Spots“ hin in den Berliner Südwesten lenken soll.

Natur und Kultur

Im Fokus steht ein Angebot aus bisher drei Radtouren, umgeben von Natur und Kultur: Die Dahlem-, Nikolassee- und Wannsee-Babelsberg Route mit einer Länge von je 20 Kilometern sind als Rundtouren angelegt und mit Schildern ausgewiesen. Verleihstationen entlang der Strecken würden auch Fahrradlosen einen solchen Ausflug ermöglichen. „Man braucht nur in die U3 einsteigen, und schon kann man bis Krumme Lanke fahren und unseren schönen Bezirk Steglitz-Zehlendorf erleben“, so Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU).

Ab Anfang März bis Ende Mai zieren vier Plakatmotive die Wagen der U-Bahn-Linien U1, U2, U3 und U4 mit Sprüchen wie „Bock auf Gras?“ oder „Schaf auf ‘nen Trip?“, um Berlinern sowie Gästen Steglitz-Zehlendorf schmackhaft zu machen. Man wolle die Attraktivität der Bezirke auch außerhalb des Stadtzentrums zeigen, äußert Andy Hehmke (SPD), Bezirksstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg und ergänzt: „Wir haben ein zunehmendes ökologisches Bewusstsein. Auch Touristen wollen sich umweltfreundlich bewegen und sportlich betätigen – da ist Radfahren super. Friedrichshain-Kreuzberg hat zudem viele Familien mit Kindern, die gerne Fahrradfahren. Warum sollen sie das nicht in Steglitz-Zehlendorf tun, dort die Gastronomie genießen oder baden gehen?“

Keine Konkurrenz

Eine Konkurrenz zum zentralen Party-Angebot der „Hot-Spots“ würden die Routen nicht darstellen. Sie würden eher Familien, Tagestouristen und Ausflügler ansprechen. Richter-Kotowski: „Wir werden ganz sicherlich nicht mit den Touristen konkurrieren können, die meinen, Berlin in drei Tagen erkunden zu können. Aber Berlin bietet viel mehr. Sinn der Kampagne ist es, zu sagen: ‚Passt mal auf, ihr müsst nicht nur tagsüber schlafen und abends in die Clubs gehen. Radelt einfach. Es gibt ganz viel zu erleben‘.“

Ein Baustein

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Berlin (ADFC) sieht in einem solchen Projekt zwar einen Schritt in die richtige Richtung, fordert aber weitere Bemühungen. „Radtourismus ist eine nachhaltige und stadtverträgliche Art des Reisens und sollte deshalb von der Stadt gefördert werden. Ausgewiesene touristische Radrouten wie in Steglitz-Zehlendorf können dafür ein Baustein sein. Grundsätzlich ist aber das beste Rezept für die Erkundung per Rad ein lückenloses Netz aus guten und sicheren Radwegen, das von Alltagsradlern ebenso wie von Touristen genutzt werden kann. Hier muss Steglitz-Zehlendorf endlich liefern, dann wird es auch attraktiver für Besucher aus Berlin oder von außerhalb.“ 

Datum: 3. März 2020, Text: Redaktion, Archivbild: imago images / Stefan Zeitz