Steglitz-Zehlendorf: Altglastonnen verschwinden aus Innenhöfen

Entfernung der Behälter von Hausgrundstücken sorgt für Unmut.

Flaschen und Gläser im Container im Hof entsorgen: damit ist für die Menschen in vielen Gebieten außerhalb des S-Bahn-Rings ab diesem Jahr Schluss. Seit Anfang Januar sind Hausbewohner in Steglitz-Zehlendorf, Spandau und Reinickendorf sowie in Teilen von Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte, Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln aufgefordert, ihr Altglas, wie deutschlandweit üblich, zu den Sammel-Iglus am Straßenrand zu bringen.

Seit dem vergangenen Jahr wurden die Container nach und nach aus den Höfen entfernt. Ende Dezember waren rund 25.000 von 32.400 Hof-Containern verschwunden. Parallel werden die Sammelstellen an den Straßen um 400 auf 1.900 aufgestockt. Rund 300 Standorte müssen noch von den Bezirken genehmigt werden, so die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Überfüllte Sammelpunkte

In einer Online-Petition fordert die Berliner CDU-Fraktion, die Glasbehälter auf den Grundstücken zu belassen. Dafür sprach sich auch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in einem von CDU, Grünen, SPD und FDP initiierten Beschluss aus. „Steglitz-Zehlendorf ist der Bezirk mit dem höchsten Anteil der über 65-jährigen Bürger“, sagt Rainer Ziffels, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion in der BVV. „Für viele ist der Weg zum nächsten Altglas-Iglu beschwerlich. Es ist zu befürchten, dass aus Bequemlichkeit oder aus Gründen der Beschwerlichkeit viel Altglas in der Resttonne entsorgt wird, was dem Recyclinggedanken widerspricht.“

Die Initiatoren der Online-Petition „Altglastonne retten, Dreckecken vermeiden“ kritisieren nicht nur die Umstellung des Recyclings, sondern den Umstand, dass viele Altglas-Iglus überfüllt seien und sich vor den Behältern neben Flaschen auch weitere Abfälle sammeln. Gleichzeitig sinke die Sammelquote. Bis zum Redaktionsschluss hatten 1.315 Menschen die Petition unterschrieben.

Den Recycling-Ertrag zu verbessern, war ein Hauptargument der Senatsverwaltung für das „Bring-Prinzip“. Schließlich machen es Altglas-Iglus möglich, das Glas nach drei statt wie bisher zwei Farb-Kategorien zu sammeln. Verlässliche Zahlen gibt es bislang weder zur aktuellen Wiederverwertungsquote noch zu den monierten „Dreckecken“. Aus Sicht von Ziffels kommt die Petition der CDU-Fraktion zu spät: „Die Pläne der Umweltverwaltung standen lange vorher fest. Das alles wieder zurücknehmen zu lassen halte ich für schwierig.“
Bürgerwünsche ignoriert.

Privatisierte Entsorgung

Die CDU-Fraktion wirft Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) vor, den politischen Willen des Abgeordnetenhauses und die Bedürfnisse der Anwohner zu missachten. „Der Wunsch des Landesparlaments war es, die gesamte Hoftonnen-Abholung zu erhalten“, so Senatssprecher Jan Thomsen. „Diesem Wunsch sind wir weitestmöglich nachgekommen, allerdings war dies nicht per Anweisung möglich, weil die Altglas-Entsorgung seit den 90er-Jahren privatisiert ist und daher eine Abstimmung zwischen der Kommune und den Privaten notwendig ist.“

Der Senatsverwaltung sei es gelungen, zwei Drittel der Hoftonnen-Abholung zu erhalten. „Ein Drittel der Hoftonnen wird nun per Freiwilligkeitsprinzip und nur dort ersetzt, wo bereits hinreichend Sammelstellen mit Depot Containern vorhanden sind.“ 86 Prozent der Hauseigentümer habe die Umstellung ohne Einwände akzeptiert. Vorgesehen ist, dass die Iglus maximal 300 Meter vom Wohnort entfernt sind. „Diese Umstellung läuft noch“, sagt Thomsen.

Datum: Text: Nils Michaelis. Bild: imago/images/Joko