Berlin-Spandau: Eine neue Arena für die Wasserballer

Ab 2024 könnte die neue Halle im Kombibad Süd fertig gestellt sein.

Seit mehr als 20 Jahren trainieren und spielen die Wasserfreunde Spandau 04 im Exil. Der Verein mit Gründungsjahr 1904 hat schon 85 deutsche Meisterschaften und Europatitel im Wasserball geholt und ist der erfolgreichste Ballsportclub in ganz Europa. Weil in Spandau selbst keine Halle für den Wasserballsport zur Verfügung steht, werden die Matches des Rekordmeisters in der Schöneberger Schwimmhalle am Sachsendamm ausgetragen. Doch diese Halle wird bald saniert und ab 2022 nicht mehr zur Verfügung stehen. Spätestens dann brauchen die Wasserballer eine neue Spiel- und Trainingsstätte.

Heimkehr geplant

Rettung naht jetzt aus der alten Heimat: Der Bezirk Spandau hat Senatsmittel aus dem Topf „Wachsende Stadt“ (SIWANA) zugewiesen bekommen, um das Kombibad-Süd an der Gatower Straße um eine Wasserball-Arena erweitern zu können. „Schul- und Vereinsschwimmhalle mit Schwerpunkt Wasserball“ lautet der Arbeitstitel für dieses Projekt. „Baustart könnte in zwei Jahren sein“, lautet die Perspektive von Baustadtrat Frank Bewig (CDU). 900 Zuschauer in einer Arena mit einer Wasserfläche von 32 mal 25 Metern soll die neue Halle fassen, die neben dem bereits vorhandenen Hallenbad und den Freischwimmerbecken auf dem rund 46.000 Quadratmeter großen Gelände gebaut werden soll. 20 Millionen Euro soll die Halle kosten, die auf einer Grundfläche von rund 2.500 Quadratmetern geplant ist. „Das ist doch ein reines Prestige-Projekt. Unser Problem ist, dass wir riesige Besucherströme an den Wochenenden vor unserer Haustür haben werden“, sagt ein Anwohner zur Auftaktveranstaltung der Bürgerbeteiligung in der Melanchthonkirche.

Vor allem Parkplatznot fürchten die Nachbarn. Wolf-Rüdiger Schulz von den Spandauer Wasserfreunden beschwichtigt: Gerade mal 150 Zuschauer würden derzeit in Schöneberg zu den Champions-League Spielen kommen. Dem reinen Prestige-Aspekt widerspricht er hingegen vehement. Der Verein erfülle eine wichtige soziale Aufgabe schon seit Jahrzehnten. „Bei den Wasserfreunden haben schon tausende von Kindern das Schwimmen gelernt“, sagt er. Hier steigt Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) in die Argumentation ein. „Wir erwarten in Spandau einen Zuwachs von 30 Prozent mehr Schülern. Diese neue Halle soll dann auch für den Schwimmunterricht zur Verfügung stehen“, erläutert er. Auch bei der Umsiedlung eines Hortes, die es auf dem Gelände gibt, stellt Kleebank eine Lösung in Aussicht. „Auch dafür werden wir eine Standort-Alternative finden“, sagt er.

Mit Bahnanschluss

Und weil die Verlängerung der U-Bahnlinie 7 in Richtung Heerstraße Nord in diesem Jahr mit einer Machbarkeitsstudie geprüft werden soll, kennt Kleebank noch ein weiteres Argument zum Bau der neuen Schwimm-Arena. Am Melanchthon-Platz könnte eine U-Bahn-Station in direkter Nähe zum erweiterten Kombi-Bad entstehen. „Dann werden auch Besucher aus anderen Bezirken hierher kommen wollen“, sagt er.
Engpass droht. Joachim Schensick (82), ehemaliger Vizepräsident der Wasserfreunde, möchte das Verfahren zum Bau der Arena vehement beschleunigen.

Er weiß, dass die Schließung des bislang genutzten Standortes in Schöneberg bald ansteht. „Wenn die neue Halle bis dahin nicht fertig ist, haben unsere Sportler gar keinen festen Standort mehr“, sagt Schensick. Eine Lösung für dieses Dilemma kennt auch Bäder-Chef Dr. Thomas Kleinsorge im Moment noch nicht. Was bleibt ist Schensicks Angst vor diesem mehrjährigen Engpass. „Wenn es soweit kommt, ist Berlins Status als Bundesstützpunkt für Wasserballer futsch“, befürchtet er. Man könne sich dann gleich um eine Trainingsstätte in Brandenburg bewerben. „Dann wechseln wir aber wirklich den Namen. Wasserfreunde Brandenburg, oder so“, sinniert der Wasserball-Senior.

Datum: 20. Februar 2020, Text: Stefan Bartylla, Bild: imago images/Nordphoto