Schluss mit billigen Lebensmitteln

Bratwurst

Bauern fordern von Handelsketten bessere Preise für Ihre Erzeugnisse.

Ein halbes Kilogramm gemischtes Hackfleisch für 2,29 Euro? 100 Gramm Hähnchenfleisch für 20 Cent? Viele Verbraucher freuen sich über günstige Preise für Fleisch und Wurst in Deutschland. Doch können Landwirte und Schlachthöfe angesichts dieser Tiefstpreise überhaupt wirtschaftlich arbeiten, ohne dabei die Qualität zu vernachlässigen?

Skandale um Gammelfleisch oder, wie zuletzt im Fall einer hessischen Wurstfabrik, um gesundheitsschädliche Bakterien, sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Nicht zuletzt geht es aber auch um die Frage: Wie steht es um das Tierwohl, wenn Fleisch-esser zuerst auf den Preis schauen, sei es nun aus Sparsamkeit oder aus blanker Not heraus.

Staatliche Eingriffe ins Preisssystem

Unter den Landwirten mehren sich Stimmen, die vom Handel bessere Preise für ihre Produkte fordern. Dabei geht es nicht nur um Fleisch, sondern auch um Milch, Gemüse und Obst. Gerade kleinere und mittlere Betriebe kämpfen wegen der von den großen Handelsketten vorgegebenen Preise ums Überleben. Vergangene Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Spitzen des deutschen Einzelhandels zu sich eingeladen, doch das Treffen blieb ohne greifbares Ergebnis. Die Handelsverbände lehnten jegliche Forderungen nach staatlichen Eingriffen in die Preispolitik ab.

Viele Bauern fürchten zudem wegen verschärfter Umweltauflagen höhere Kosten für ihre Betriebe. Aus Protest gegen die Agrarpolitik des Bundes legten Landwirte Ende Januar mit 400 Treckern die Berliner Innenstadt lahm. Es gibt also viele Gründe, die nahelegen, dass es kein „Weiter so“ für Billigstpreise geben kann. Unter Politikern von CDU, SPD und Grünen kursierten schon im vergangenen Jahr Vorschläge, die Mehrwertsteuer für Fleischprodukte von sieben auf 19 Prozent anzuheben.

Unterstützung für artgerechte Höfe

Mit den Mehreinnahmen, so der Vorschlag, sollen Landwirte bei der artgerechten Umrüstung ihrer Höfe unterstützt werden. In dem Fall wäre davon auszugehen, dass der Handel die höheren Preise an die Kunden weitergibt. Das Bundesfinanzministerium wies darauf hin, dass Steuereinnahmen nicht zweckgebunden sind. Es wäre also unklar, wohin die höheren Steuereinnahmen am Ende fließen.

Sozialverbände warnen vor einer höheren Abgabe. „Eine Verbrauchssteuer auf Lebensmittel belastet die Einkommensschwächsten am stärksten und hilft keinem einzigen Bauern“, so der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider.

Datum: 13. Februar 2020. Text: Redaktion. Bild: Getty Images Plus/iStock/diatrezor.