Berlin-Lichtenberg: Umzug der Obdachlosen nach Karlshorst steht bevor

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60 Plätze für für obdachlose Menschen sollen in der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft bereit gestellt werde.

Das Bezirksamt Lichtenberg hat in der vergangenen Woche beschlossen, eine Kälteunterkunft in der Köpenicker Allee in Karlshorst zu eröffnen. „Es geht in den nächsten Tagen los. Die Prüfung der Brandschutzmaßnahmen auf dem Gelände stand noch aus und hatte ergeben, dass die dafür erforderlichen Maßnahmen relativ schnell umsetzbar sind. Jetzt können wir grünes Licht geben“, erläuterte Sozialstadträtin Birgit Monteiro (SPD) im Interview mit dem Berliner Abendblatt.

Auch ein Betreiber für die Einrichtung ist inzwischen gefunden. „Die Tentaja gGmbH tritt mit dem Konzept an, hier zunächst 30 Plätze einzurichten und vornehmlich den Obdachlosen von der Rummelsburger Bucht und vom Lichtenberger Bahnhof anzubieten“, erklärte Monteiro. Auf freiwilliger Basis sollen die Obdachlosen dann von den Camps nach Karlshorst gefahren werden. Tentaja hat bereits Kältehilfe in den Hangars des Tempelhofer Flughafens in den Jahren 2016 bis 2018 angeboten, Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge in der Hohenschönhausener Straße und am Oberhafen betreut und war auch als Träger für eine Flüchtlingsunterkunft in der Karl-Marx Straße tätig.

Auch Tagesbetreuung

Die Besonderheit in der Unterkunft an der Köpenicker Allee: Die Räume werden den Obdachlosen auch am Tage zur Verfügung stehen, ganze Gruppen können zusammen wohnen und es dürfen auch Tiere mitgebracht werden. Normalerweise sehen vergleichbare Angebote in der Stadt nur Übernachtungsmöglichkeiten vor. „Das Angebot wird bis zum Ende der Kältehilfesaison am 30. April bestehen bleiben“, so Monteiro.

Die Tagesbetreuung sei eine gute Voraussetzung für eine bessere Kontaktaufnahme durch die Sozialarbeiter, die den Obdachlosen sozialunterstützende Möglichkeiten anbieten können. Neben dem Schutz vor Kälte, könnten in dieser Zeit auch Krankheiten oder Verletzungen versorgt oder Schritte zur sozialen Wiedereinbindung vorbereitet werden.

„Dafür werden wir in Karlshorst bei einer Belegung von 30 Personen drei bis fünf Betreuer zur Verfügung stellen“, verspricht Tentaja-Geschäftsführer Michael Elias.

Irgendwann Wohnungsbau

Ein Budget von maximal 150.000 Euro stehe dafür in den kommenden beiden Monaten zur Verfügung. Neben den Mitteln aus der Kältehilfe werde man noch weitere finanzielle Unterstützungen über andere Posten des Senatshaushalt akquirieren, so Monteiro. Die durch diese Maßnahme freigezogenen Flächen an der Rummelsburger Bucht sollen in der Folge eingezäunt und gesperrt werden.

„Bereits jetzt wurde das Gelände sukzessive gesichert. Ob die Obdachlosen den Weg nach nach Karlshorst gehen werden, ist wirklich nicht sicher. Wir betrachten die Unterkunft auch ein wenig als Experiment. Schließlich wissen wir, dass es Orte im Stadtgebiet gibt, die für diesen Zweck geeigneter wären“, so Monteiro. Sie betont, dass das ehemalige Telekom-Gelände an der Köpenicker Allee langfristig für den Wohnungsbau vorgesehen ist. Zwischen 2015 und 2018 waren hier rund 250 Flüchtlinge untergebracht. Seit März 2018 stehen de Häuser leer. Bis mindestens 2025 zahlt Berlin laut Informationen des Berliner Kurier über die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag für das Grundstück Miete.

Weitere Lösungen

„Bis Herbst diesen Jahres will der Senat sogenannte Safe Places für Obdachlose benennen“, so die Stadträtin. Das sind Flächen, die die Stadt zentrumsnah den Obdachlosen zur Errichtung von Camps zur Verfügung stellen will. Ein Konzept, das die hygienische Versorgung und soziale Betreuung gewährleisten soll. Die Resonanz bei den Nachbarn in Karlshorst sei im Moment gespalten. Birgit Monteiro: „Der neue Träger wird auf die Nachbarschaft zugehen und auch mit ehrenamtlichen Helfern aus der Umgebung arbeiten. Wir hoffen dass sich gute Kooperationen ergeben werden.“

Datum: 29. Januar 2020, Text: Stefan Bartylla, Bild: Bild: Imago images / Olaf Wagner