Berlin-Wedding: Uferhallen-Künstler kämpfen für ihren Kulturstandort

Die Mieter der Uferhallen starten eine Online-Petition.

Seitdem die Uferhallen an der Weddinger Uferstraße 8 vor knapp zwei Jahren ihren Besitzer gewechselt haben, fürchten die Künstler um ihre Ateliers. Ganz unbegründet ist die Angst nicht. Immerhin handelt es sich bei den Käufern um ein Firmengeflecht, zu dem unter anderem auch die Samwer-Brüder gehören. Die hatten zuletzt durch den Kauf und anschließende Kündigungen im Haus der Gesundheit für Aufsehen gesorgt. Ihre Pläne für das Areal an der Panke, das seit 2007 Atelierwohnungen, Tonstudios, Tanzräume und Werkstätten beherbergt, sehen vor allem eine Nachverdichtung des Geländes vor. Damit verbunden war zwar bislang das Versprechen, dass die Künstler ihre Mietflächen behalten dürfen. Doch die bisher angebotenen Mieterhöhungen können die meisten Mieter nicht stemmen.

Petition gestartet

Deshalb haben sie nun eine Online-Petition gestartet, mit der sie um den Erhalt der Uferhallen als wichtigen Kulturstandort kämpfen wollen. „Unser Ziel ist es, aus dem Gesamtareal herauslösbare Flächen in eigener Regie zu entwickeln. Gerade die Gebäude aus den 20er- und 30er-Jahren, die aus Gründen des Denkmalschutzes keinesfalls überbaut werden dürfen, würden sich dafür eignen. Wir suchen nach einer Lösung, die dem Denkmalschutz und unseren Bedürfnissen gerecht wird“, heißt es in der Petition. Derzeit würden sie an einem Modell arbeiten, das die Langfristigkeit einer kulturellen Nutzung deutlich über 30 Jahre hinaus sichern kann. Um den Mietzins gering zu halten, wollen sie durch Selbstverwaltung die Rahmenbedingungen für einen kostengünstigen Betrieb schaffen. „Wir fordern den Eigentümer auf, an einer zukunftsfähigen Lösung mitzuwirken, die den Fortbestand des Kulturstandortes gewährleistet. Der Schritt in eine nachhaltige Zukunft kann nur gemeinsam gelingen“, heißt es weiter.

Alte BVG-Werkstatt

2006 hatte der Senat das Areal an die Uferhallen GmbH verkauft. Zuvor wurden hier Straßenbahnen und Busse der BVG repariert. 2017 folgte dann der Verkauf an die Unternehmergemeinschaft – für 27 Millionen Euro. Die Sondierungsgespräche zwischen Bezirksamt, Denkmalpflegern, den neuen Besitzern und ihren Architekten sollen noch das gesamte Jahr andauern. Was danach kommt bleibt ungewiss. Wer die Künstler unterstützen möchte, findet die Petition und weitere Infos hier.

Datum: 23. Januar 2020, Text: Katja Reichgardt, Bild: imago images/tagesspiegel