Berlin-Reinickendorf: Schüler erinnern an ermordete Kinder

Gedenkstätte am Eichborndamm

Schulen beteiligen sich an dem Patenschaftsprojekt „Mein liebes Kind“.

Im Jahr 1941 wurde am Eichborndamm 238/240 die „Städtische Nervenklinik für Kinder“ eingerichtet. Hier wurden geistig behinderte Kinder eingewiesen, die nach den Richtlinien der nationalsozialistischen „Erb- und Rassenlehre“ als „lebensunwert“ eingestuft wurden. Viele der Jungen und Mädchen starben infolge medizinischer Versuche, fehlender ärztlicher Unterstützung oder mangelnder Ernährung.

Auf Spurensuche

Das Museum Reinickendorf richtete dort vor sieben Jahren ein Geschichtslabor und einen Gedenkort ein. Seitdem können Schulklassen im Rahmen von Projekten die Räumlichkeiten nutzen, um sich mit der Geschichte der Medizin in der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Mit dem Projekt „Mein liebes Kind“, einem Kooperationsprojekt des Museums mit der Künstlerin Karen Scheper, werden Schulen in ganz Berlin und Umgebung dazu aufgerufen, sich für das Gedenken an junge „Euthanasie“-Opfer zu engagieren und sich auf Spurensuche zu begeben. In einer Patenschaft arbeiten Schüler die Geschichte eines getöteten Kindes auf und gedenken seiner jährlich durch eine gemeinsame Aktion, eine Ausstellung, eine Lesung oder ähnliches.

Schicksale kennenlernen

Als erste Schule hat die Carl-Bosch-Schule eine Patenschaft übernommen. Weitere Schulen, wie die Carl-Zeiss Oberschule Lichtenberg, der Gemeinschaftscampus Hannah Höch und die Ringelnatz-Grundschule, haben ebenfalls in diesem Jahr eine Patenschaft für ein Kind übernommen. Im Rahmen der ersten öffentlichen Gedenkveranstaltung am 7. November, um 17 Uhr am Gedenkort/Geschichtslabor, Eichborndamm 238, werden die Patenschaftsurkunden übergeben und die Schüler lesen aus der Biografie ihres ausgewählten Kindes vor, so das Bezirksamt.

Weitere Informationen zum Gedenkprojekt “Mein liebes Kind” gibt es hier.

Datum: 27. Oktober 2019. Text: Redaktion. Bild: Bezirksamt Reinickendorf.