Ordentlich was auf die Ohren

Theater Thikwa mit Abgründigem und vielen Gefühlen

Hilfe! Hilfe! Ach so, Finanzhilfe! Darauf ein Chopin-Prelude. Und der Kongress-Dozent hatte im übrigen eine eklige Narbe am Kinn. Am fein eingedeckten Tisch, umgarnt von Servierpersonal, debattiert eine seltsame Dinnergesellschaft. Zu perlenden Klavierklängen gibt es ungepflegte Konversation zu den richtigen Themen. Alles in komplett falschem Timing.

Willkommen im Theater Thikwa, Fedicinistraße 3. Was potentielle Zuschauer gerade lasen, war der Einstieg in die neue Produktion „Möchten sie noch? Nein, danke!“, die Ende August Premiere hatte und am 1. sowie vom 5. bis 8. September, jeweils 20 Uhr, noch einmal zu sehen ist. Im Setting bürgerlichen Daseins mit all seinen Schrecklichkeiten agieren Menschen, die klassische Rollenmodelle auf keinen Fall erfüllen können. Sie sitzen im Rollstuhl oder sind beim Parlieren auf Hilfe angewiesen. Macht sie die eigene Unkonventionalität immun gegenüber dem Krampf der Norm?

Oder gibt es beim Bad im Drachenblut der Spastik Lücken in der Schutzhülle, durch die ein Bemühen, sich anpassen zu wollen, passen zu wollen und nicht unpassend aufzufallen doch Eingang findet? Ein traumhaft abgründiges Gesellschafts-Impromptu, das lustvoll Konventionen vom Silbertablett stößt. In der Regie von Martin Clausen agieren er selbst sowie unter anderem Nico Altmann, Ingo Joers, und Alexander Lange.

Desweiteren präsentiert das Thikwa im Studio „Mit.Anderen.Worten“ das Premierenstück der Jugendtheatergruppe am 8. September, 18 Uhr, und am 9. September, 16 Uhr.
Zum Inhalt: Was tun, wenn einem die Worte fehlen und man Alles zu sagen hat? Wie auf einen fremden Planeten geworfen, verloren und isoliert, entsteht der Wunsch nach Kontakt und Individualität innerhalb einer Gemeinschaft, nach bedeutsamen Worten. Inspiriert von seiner Geschichte und Musik ist der Tango die Verbindung zwischen den Tänzern über Sprachbarrieren hinweg zu einem gemeinsamen Ausdruck.

Sehnsucht treibt die Spieler, das Buch „Die große Wörterfabrik“, Musiktexte und die Sternennacht Van Goghs bieten Stoff mutig zu experimentieren. Wem das alles noch nicht reicht: Am 27. und 28. September, jeweils 20 Uhr, lockt wieder „Was auf die Ohren – Die Thikwa-Beatbox-Battle“ ins Studion. Zwei Teams im groovigen Wettstreit und am Ende gibt es eigentlich nur Sieger. Mehr Informationen gibt es übrigens online.

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