Teilen, verteilen, Umwelt schonen

Projekt untersucht Sharing-, Logistik- und Urban Gardening-Konzepte.

Das Holzmarkt-Quartier ist zu einer Art Freiluftlabor für die Erforschung der Zukunft urbanen Lebens geworden. Unter dem Motto „Stadtquartier 4.0“ soll geforscht und experimentiert werden, um herauszufinden, ob und wie Alternativen für die Belastungen durch zunehmende Lieferverkehre etabliert werden können. Die Lösungsansätze, die geprüft werden sollen, sind vielfältig, hängen aber auch davon ab, zu was Menschen bereit sind sowie was sie selbst beitragen können und möchten. Danach werden jetzt Anwohner und Gewerbetreibende befragt.

Diesen Teil des Projekts übernimmt das Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung aus Erkner, das koordinieren, dokumentieren, organisieren und auch später analysieren soll, was das Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung an neuen oder verbesserten Ansätzen hervorbringt. Und das könnte spannend werden, denn neben der Holzmarkt 25-Genossenschaft, die ja ohnehin schon einen unkonventionellen Ansatz von Gewerbe- und Quartiersentwicklung verfolgt, sind auch Partner aus den Bereichen Logistik, Produktion, Mobilität und sogar Urban Farming beteiligt.

Faktor Akzeptanz

Letzteres ist auch eines der drei Hauptthemen der nun laufenden Befragung. Die Theorie ist: Was vor Ort produziert wird, muss natürlich auch nicht transportiert werden. Das entlastet die Straßen und die Umwelt. „Doch wie groß ist die Akzeptanz für urbane Lebensmittelproduktion eigentlich, wird das schon genutzt, gibt es grundsätzliches Interesse und wie kann man das Potenzial erhöhen?“, möchte Thorsten Heimann vom Leibniz-Institut wissen. Ein spannender Aspekt, nämlich Aquaponik, war ursprünglich in der Diskussion. Das ist eine Mischung aus Urban Gardening und Fischzucht. Leider war dies nicht umzusetzen, bedauert Heimann, der Teil eines ganzen Forscherteams ist.

Auch im Test ist eine „Bentobox“. Die muss man sich in etwa vorstellen wie eine der Abholstationen von Versand- und Logistikunternehmen, jedoch mit dem Unterschied, dass sie nicht an ein Unternehmen gebunden ist. Der Prototyp ist eine Idee des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Produktionstechnik und kann zum Beispiel als Zwischenlager für Waren dienen, die dann wiederum mit Lastenrädern zum endgültigen Ziel transportiert werden.

Zentraler Sammelpunkt

Die Befragung soll nun herausfinden, ob so eine Box akzeptiert würde und wofür sie noch genutzt werden könnte. Teilen erwünscht. So eine Box hat auch andere Potenziale, etwa als Ablageort für alles, was Menschen in einem Quartier miteinander teilen möchten. So könnten zum Beispiel Werkzeuge dort zentral gelagert werden, die jeder hin und wieder, aber nicht täglich braucht. Die Möglichkeiten und Grenzen eines solchen Sharing-Ansatzes zu ermitteln, ist ebenfalls ein Aspekt von „Stadtquartier 4.0“ und der aktuellen Umfrage. Schließlich wollen Heimann und seine Kollegen auch noch herausfinden, wie sich Anwohner in das Experimentierfeld Holzmarkt und das Projekt mit einbinden lassen könnten.

Insgesamt wurden 2.500 Haushalte und Geschäftsleute für die Befragung angeschrieben. Thorsten Heimann würde sich freuen, wenn möglichst viele von ihnen mitmachen würden. Sie läuft bis Mitte September, das Projekt insgesamt bis Januar 2020.

Datum: 31. August 2018, Text: Redaktion, Bild: imago/Stefan Zeitz