Künstler-Asyl im Wedding

Wiesenburg öffnet Garten zum Tag des offenen Denkmals.

Noch zeugen Banner und eine zusammengezimmerte Bar aus Holz von dem Festival, das am Wochenende viele Besucher in die Wiesenburg zog. Bereits zum dritten Mal fand Ende August dieses Event statt. Und auch zum Tag des offenen Denkmals, der sich in diesem Jahr mit dem Kulturfestival „2 Tage Wedding“ überschneidet, gibt es auf dem Grundstück des ehemaligen Obdachlosenasyls einiges zu entdecken. Am 8. und am 9. September führt Vorstandsmitglied Dirk Feistel Interessierte über das Gelände.

Letzte Gelegenheit

Für die meisten Gäste dürfte der Aktionstag die letzte Gelegenheit sein, das Grundstück so wie es jetzt ist, zu erkunden. Denn: schon bald steht die Sanierung der historischen Gebäude an. „Wir haben die Erlaubnis bekommen, erstmalig auch den Garten und die Sammelhalle zu zeigen“, so Feistel. Darüber hinaus dokumentiert eine Ausstellung in der Werkhalle die bewegte Geschichte des Kulturstandortes mitten im Wedding – und gibt einen Ausblick auf die Zukunft. So soll ein Modell des Wohnungsunternehmens Degewo, das seit 2014 Besitzer der Wiesenburg ist, den geplanten mehrgeschossigen Neubau im Garten zeigen. Dass Degewo und Wiesenburg- Mieter eine gemeinsame Ausstellung machen, ist nicht selbstverständlich.

Zusammenwirken bessern

Nach anfänglichen Schwierigkeiten gilt das Zusammenwirken von Künstlern und Unternehmen inzwischen als positives Beispiel dafür, wie Sanierungs- und Neubaupläne nicht zu Lasten der langjährigen Mieter gehen müssen. Und doch gibt es noch heute, kurz vor Sanierungsbeginn, einige offene Fragen. Wie etwa soll es mit den Mietverträgen der Künstler weitergehen? „Wir wissen, dass die Wiesenburg saniert werden muss, und auch, dass Berlin dringend neuen Wohnraum benötigt. Im letzten Jahr verlief die Abstimmung mit der Degewo stets gut, seit einigen Monaten aber geht es eher schleppend voran. Bei uns ist der Wunsch groß, weiterhin gut zusammen zu arbeiten“, so Feistel.

Wichtiger Teil

Auch von der Politik fühlen sich die Mieter, darunter Maler, Bildhauer, Musiker und Tischler, die seit 20 Jahren in der Wiesenburg arbeiten und wohnen, im Stich gelassen. Wichtig sei nun vor allem, den Austausch mit dem Wohnungsunternehmen fortzusetzen und die Wiesenburg als Kulturstandort auch für die Zukunft zu erhalten. Immerhin sind es nicht zuletzt die vielen Kunstschaffenden, die Berlin zum Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt machen. „Früher suchten Obdachlose Hilfe in der Wiesenburg, heute sind wir Künstler die Hilfesuchenden, die dafür sorgen müssen, dass es diesen Ort auch in 20 oder 30 Jahren noch gibt“, erklärt Feistel.

Die Wiesenburger planen nun, eine Genossenschaft zu gründen, die sich um die Einzelvermietung kümmert. Dabei können sie auf die Unterstützung anderer Berliner Künstler setzen. Künftig will die Degewo die ehemalige Sammelhalle ausbauen, mehrere Eingänge zum Gelände einrichten und die Elektrik sanieren. Im Garten soll ein Neubau mit rund 100 Wohnungen und Platz für Ateliers entstehen, und für den Turm sind eine Bar oder ein Café im Gespräch.

Wer die Wiesenburg noch einmal vor der Sanierung erkunden möchte, hat dazu am 8. und 9. September jeweils um 12, 15 und 18 Uhr Gelegenheit. Treffpunkt ist an beiden Tagen der Haupteingang an der Wiesenstraße. Von 10 bis 18 Uhr hat zudem die Werkhalle mit Ausstellung geöffnet.

Datum: 31. August 2018, Text und Bild: Katja Reichgardt