Die bunteste Bücherburg der Stadt

Familie Stiller lädt zum Schmökern und zum Tauschen ein.

So eine Büchertauschbörse, wie die im Mahlsdorfer Goldregenweg hat Berlin noch nicht gesehen. Auf einen Autoanhänger von rund zehn Quadratmetern Fläche hat Handwerker Peter Stiller nämlich eine Bücherburg nach ganz buntem Geschmack gebaut. „Sechs Wochen Arbeit stecken da schon drin. Das hat aber einen Riesenspaß gemacht“, berichtet der gebürtige Mahlsdorfer. Der Erstbestand dieser zauberhaft gestalteten Straßenbücherei kam aus dem eigenen Haus. „Meine Frau Gabriele, meine Tochter Kathrin haben ja hunderte von Büchern hier im Haus gehabt. Zwei Drittel der Gesamtfläche war damit belegt. Und da wir so etwas nicht wegschmeißen mögen, kam die Idee zu der Bücherburg direkt vor der Haustür“, so Stiller über das neuste Mahlsdorfer Schmuckstück, das seine Familie täglich von acht bis ungefähr 21 Uhr geöffnet hält.

Bunt gestaltet

Allein die tollen Malereien an der Bücherburg lohnen bereits einen Besuch: Hundertwasser-Graffitis und russische Märchenoptik mischen sich hier mit ökologisch tollen Handwerksdetails. Hier gibt es Solarstrom für die Innenbeleuchtung und demnächst auch für die Heizung, die Dachbegrünung wird per Bewässerungsanlage versorgt und große Fensterflächen sorgen dafür, dass es hier einfach nur Spaß macht, Bücher auszusuchen und zu schmökern. „Jetzt gehören die Bücher den Nachbarn“, stellt Stiller fest und berichtet mit Stolz, dass der Bestand inzwischen einmal durchgängig gewechselt hat.

Schließlich gibt es keine Regeln für den kostenlosen Tausch oder die Ausleihe. „Wer will, kann sich einfach nur bedienen oder eben auch selber seine eigenen Bücher dazu stellen“, so der Installateur für Gas, Heizung und Sanitär.

Die Resonanz für die Romane Reiseführer, Sachbücher und Zeitschriften ist überwältigend. „Wir finden immer wieder kleine Briefchen und Notizen von den Besuchern hier, die sich allesamt begeistert zeigen“, sagt er. Sorgen macht ihm nun allein das Ordnungsamt. „Wenn die einmal darauf bestehen, dass ich den Anhänger bewegen muss, wird es schwierig“, berichtet der 63-Jährige. Auch der in zwei Jahren anstehende TÜV könnte für Kummer sorgen. „Diese beiden Probleme schiebe ich jetzt einfach mal vor mich her“, sagt der Handwerker, der darauf hofft, dass das Amt vielleicht doch ein Auge zudrücken könnte. Dass sein Projekt bereits bei Facebook & Co. größeren Anklang gefunden hat, hat Peter Stiller noch gar nicht mitbekommen.

Lokale Berühmtheit

„Ich sehe aber manchmal die Steppkes hier entlang radeln, die auch ganz angetan sind von unserer Bücherburg. Wenn die grölen “Kiek mal, dit bunte Ding“, dann macht mich das schon ein wenig stolz“, sagt Stiller, der bereits im eigenen Garten ähnlich verrückte Dinge wie eine Babayaga-Hütte und einen Windgenerator selbst gebaut und aufgestellt hat

Zum Nachahmen

„Ich bereue keinen Cent, den ich in die Schmökerburg gesteckt habe. Ich würde gerne auch weitermachen damit. Aber leider kostet das doch eine Kleinigkeit. Vielleicht mache ich demnächst etwas ähnliches über die Finanzierung mit einer Stiftung oder so“, sagt Stiller der schon sein Leben lang im Haus an der Goldregenstraße 51 wohnt und sich wünscht, dass auch andere Menschen solche außergewöhnlichen Dinge ausprobieren. „Man sollte immer auch ein bisschen was wagen und versuchen, die Grenzen zu durchbrechen“, so sein Fazit. Sogar ein wenig ziviler Ungehorsam könne dabei nicht schaden, lautet dazu seine Empfehlung.

Datum: 23.08.2018: Text und Bild: Stefan Bartylla