Straßenbahn-Trasse kreuzt Schulbaupläne

Senatsverwaltungen streiten um die Verwendung eines Grundstücks.

Bereits im Jahr 2015 hatten die Elternvertreter der Grundschule am Schleipfuhl Alarm geschlagen. Mit über 500 Schülern war die Kapazität der Schule an der Nossener Straße völlig ausgereizt. Jetzt mussten Konsequenzen folgen. Das Bezirksamt beantragte beim Berliner Senat die Genehmigung zur Errichtung eines modularen Ergänzungsbaus auf der brachliegenden Grünfläche gegenüber der Grundschule: Die Zusage liegt dem Bezirk zwar seit November 2016 vor, inzwischen gibt es aber ganz neue Erkenntnisse, die den Bau dieser dringend benötigten Erweiterung verhindern könnten.

Lange reserviert

Mitte Februar wurde bei einer vom Berliner Senat veranstalteten Rundfahrt zur Besichtigung potentieller Standorte für die Errichtung von Schulergänzungsbauten bekannt, dass das eigentlich an der südöstlichen Grundstücksgrenze für die Schulerweiterung vorgesehene Gelände schon seit vielen Jahren von der Senatsverwaltung für Verkehr für den Bau einer Straßenbahntrasse reserviert worden war. Eine Tramstrecke über den Schulhof wäre schließlich die Konsequenz, würde man beide Projekte umsetzen.

Unsichere Querung

Zunächst bestätigte Verkehrssenatorin Günther (Die Grünen), dass der Erweiterungsbau trotz der Tramplanung möglich sei. „Notwendig und möglich“ sei lediglich eine „gesicherte Querungsstelle“ für die Schüler. Bildungssenatorin Scheeres (SPD) lehnte indes den Bau des Ergänzungsgebäudes jenseits einer solchen Tramtrasse ab und zog die dafür ursprünglich bereit gestellten Finanzen wieder ab. Die Trasse der Straßenbahn taucht im neuen Verkehrswegeplan für 2019-2023 wieder auf.

Neue Route

Vom S-Bahnhof Mahlsdorf ausgehend soll die Trasse durch die Ridbacher Straße bis zur Riesaer Straße führen. Auf diese Weise sollten die Großsiedlungen Hellersdorf und Marzahn mit den ehemaligen Gewerbe- und Industriezentren in Oberschöneweide verbunden werden. „Ein Plan aus den neunziger Jahren, der aus damaliger Sicht sicherlich begründbar war, aber nach dem Wegfall der Arbeitsplätze aus den produzierenden Großbetrieben und dem Ausbau von Oberschöneweide als Wissenschafts- und Forschungsstandort sicherlich hinfällig ist“, beurteilt Alexander J. Herrmann, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) die Sachlage.

Dennoch will der Senat die neue Straßenbahntrasse durch die Ridbacher Straße bis spätestens 2035 bauen. „Verkehrspolitischer Irrsinn, der zu einer erheblichen Verkehrsbelastung führen würde und die die Errichtung des dringend benötigten modularen Ergänzungsbaus an der Grundschule am Schleipfuhl verhindert“, meint Herrmann, der aufgrund gestiegener Schülerzahlen schnellstens zusätzliche Platzkapazitäten für die Grundschule am Schlei-pfuhl fordert. Eine machbare Alternative für die Schule sei derzeit nicht in Sicht.

Mehr Busse

Der für 2019 zugesagte Baubeginn des Schulersatzgebäudes müsse unbedingt umgesetzt werden, so Herrmann. Eine Ansicht, die auch der Berliner SPD-Abgeordnete im Abgeordnetenhaus Sven Kohlmeier und der für Grünflächen und Verkehr zuständige Stadtrat Johannes Martin (CDU) teilen. Der Stadtrat schätzt, dass schon eine Bustaktverdichtung genügen könnte, um die Bedarfe der projektierten Tram zu ersetzen.

Datum 17.8.2018, Text und Bild: Stefan Bartylla