Ernste Musik ganz jung, wild und wunderschön

Young Euro Classic widmen sich vom 3. bis 20. August dem Wirken von Leonard Bernstein und Nelson Mandela

Als Leonard Bernstein Beethovens Ode an die Freude im Jahr 1989 kurzerhand als Ode an die Freiheit singen ließ, um den Fall der Berliner Mauer zu feiern, soll er gesagt haben: „Ich bin sicher, Beethoven würde uns zustimmen.“ Im Jahr 2018 wäre Bernstein 100 Jahre alt geworden, ebenso wie der große Südafrikaner Nelson Mandela, der Zeit seines Lebens für eine freie und in Frieden lebende Gesellschaft kämpfte. Diese beiden einzigartigen Persönlichkeiten werden in der 19. Ausgabe des internationalen Jugendorchesterfestivals Young Euro Classic besonders geehrt.

Beide würden der Vision des Festivals sicherlich zustimmen: junge exzellente Musiker aus aller Welt zu präsentieren, die Zeichen für weltweiten Austausch und Miteinander in friedlicher Koexistenz setzen. In diesen krisenhaften Zeiten sind diese Werte eine wichtige Botschaft. Das Nelson Mandela gewidmete Stück „Rainbow Beats“, mit dem das MIAGI Youth Orchestra aus Südafrika am 3. August das Festival eröffnet, ist brandneu. Duncan Wards neues Werk will nicht weniger als Mandelas Vision von einer Gesellschaft, in der jeder Mensch seinen Platz hat, musikalisch widerspiegeln.

Leonard Bernstein wird im Jahr seines 100. Geburtstags von vielen Orchestern geehrt, allen voran vom Schleswig-Holstein Festival Orchestra (SHFO), das auf Initiative des US-Komponisten und Dirigenten gegründet wurde. Das Orchester setzt mit einem Bernstein-Programm den spektakulären Schlusspunkt des Festivals am 20. August.

Internationale Wahl

Aus drei Musik-Metropolen kommen Ensembles, die sich in diesem Sommer erstmals beim Festival im Berliner Konzerthaus präsentieren: New York schickt NYO Jazz, eine hochkarätige Initiative der Carnegie Hall. London wird von der Southbank Sinfonia, einem international besetzten Ensemble von 33 jungen Musikstudenten vertreten. Aus St. Petersburg beteiligt sich das erst 2012 gegründete Youth Chamber Orchestra mit einem attraktiven russischen Programm.

Auch Jugendorchester, denen kein Weg nach Berlin zu weit ist, werden in diesem Jahr erneut begrüßt – Ensembles aus Kanada, Neuseeland und Georgien sowie hoffnungsvolle Newcomer aus Rumänien und der Ukraine stehen neben dem Studentenorchester der slowenischen Musikakademie Ljubljana und den traditionsreichen nationalen Jugendorchestern aus Norwegen, Spanien und den Niederlanden auf dem Programm. Ein weiteres Highlight: die alljährliche Vergabe des Europäischen Komponistenpreises durch eine Publikumsjury, deren Vorsitzender in diesem Jahr der griechische Komponist und Musiktheoretiker Manolis Vlitakis ist.

Das Orchester als Gesellschafts- und Teilhabemodell – dafür steht Young Euro Classic seit dem Gründungsjahr 2000. Jeden Sommer spielen zweieinhalb Wochen lang Musiker aus aller Welt am Gendarmenmarkt. Damit ist Young Euro Classic die weltweit wichtigste Plattform des internationalen Orchesternachwuchses für die europäische klassische Musiktradition und deren Weiterentwicklung. Das Festival ist auch Inkubator für Neugründungen von bi- und multinationalen Jugendorchestern und ist mittlerweile in die Genetik der Jugendorchesterszene übergegangen.

Auch auf Publikumsseite sorgt Young Euro Classic für die Zukunft – mit jährlich über 28.000 Besuchern, deren Altersdurchschnitt deutlich unter dem „üblicher“ Konzertbesucher liegt. 18 Festival-Tage mit 18 verschiedenen Orchestern, das sind 18 Einladungen zu neuen Hörerlebnissen, zu intensiven Musik-Trips durch Epochen, Länder und Stile. Mehr Infos zu Terminen und Preisen online.

Datum: 30.07.2018 Bilder: MUTESOUVENIR / Kai Bienert / Manolis Vlitakis Text: M. Wolf