Viele Wege führen zur Einbürgerung

Bürgermeister beglückwünscht 19 Lichtenberger zu ihrer neuen Staatsbürgerschaft.

Rund 40.000 Menschen, die ursprünglich aus Vietnam, Russland, Polen und vielen anderen Ländern in aller Welt nach Deutschland kamen, leben in Lichtenberg bereits schon seit Jahrzehnten. Viele von ihnen wünschen sich die volle gesetzliche Anerkennung in ihrer neuen Heimat.

Der Amtsweg

Dazu gibt es die Möglichkeit der Einbürgerung. Voraussetzung dafür ist, dass man mindestens acht Jahre in Deutschland gelebt hat, für seinen Lebensunterhalt selbst sorgen kann, über ausreichende Deutschkenntnisse verfügt und ein deutsches staatsbürgerliches Grundwissen besitzt. Ohne Vorstrafen und mit dem ausgesprochenen Bekenntnis zur demokratischen Grundordnung kann die Einbürgerung schließlich gegen eine Gebühr von 255 Euro pro Person bei einer avisierten Bearbeitungszeit von mindestens sechs Monaten erfolgen.

Am Ende aller bürokratischen Hürden steht schließlich noch die feierliche und offizielle Zeremonie zur Einbürgerung. In Lichtenberg ist das „Chefsache“ und Bezirksbürgermeister Michael Grunst ist bei den Zeremonien nach Möglichkeit selbst anwesend. „Die Entscheidung für die deutsche Staatsbürgerschaft hat vor allem auch eine moralische Bedeutung und für viele der Eingebürgerten ist das auch ein Höhepunkt in ihrem Leben“, sagt Grunst und ergänzt, „neben einigen Pflichten haben die neuen Mitbürger das Recht der gesetzlichen Gleichbehandlung erlangt. Das ist ein großer Wert, der so manchem Deutschen nicht immer so ganz bewusst ist.“

Neue Staatsbürger

Ein Wert, für den Anfang Juli 19 neue Staatsbürger aus den Ursprungsländern Indien, Russland, Spanien, England, Vietnam und China an der Einbürgerungszeremonie im Saal des Lichtenberger Rathauses teilnahmen. „Ich bin ja in Köln geboren und nachdem ich schon mein ganzes Leben in Deutschland verbracht habe, habe ich mich entschlossen, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen“, sagt Isabel Vela Sanchez. Ihre spanischen Eltern waren sogenannte Gastarbeiter der allerersten Stunde in Deutschlands Westen. „Kinder wurden damals per Geburt nicht automatisch eingebürgert. Das Recht gibt es erst seit Ende der 90er Jahre. Wirklich Nachteile hatte ich durch meinen spanischen Pass nie gehabt. Dass ich aber jetzt dafür bezahlen und eigene Initiative aufbringen muss, um offiziell als deutsche Staatsbürgerin anerkannt zu werden, fühlt sich schon komisch an“, sagt die Frau, die ihr gesamtes Leben in Deutschland verbracht hat.

Wege nach Deutschland

Nicht ganz so lang, nämlich seit „nur“ 20 Jahren lebt Resham Singh Multani in Deutschland. „Lichtenberger bin ich seit sechs Jahren. Meine Kinder sind hier geboren und ich fühle mich jetzt auch endlich als Deutscher“, gesteht der Mann, der im Norden Indiens geboren wurde und mit ein wenig Stolz nun das offizielle Dokument in den Händen hält. Aus England stammt Nicola Denise Stein, die seit genau 24 Jahren in Deutschland und seit zehn Jahren in Lichtenberg lebt. „Wegen des Brexit habe ich mich für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden. Ich muss beruflich viel reisen – da hat der deutsche Pass für mich viele Vorteile“, sagt die Frau, die in Oxford aufwuchs. Nun freut sie sich auch darauf, in Zukunft an allen parlamentarischen Wahlen in Deutschland teilnehmen zu dürfen.

Autor und BIld: Stefan Bartylla