Die Nashorn-Retter kommen aus Lichtenberg

Künstliche Befruchtung und Stammzellenforschung schaffen Durchbruch.

Nördliche Breitmaulnashörner sind quasi ausgestorben, da nur noch zwei Weibchen dieser Art auf unserem Planeten existieren. Einem internationalen Wissenschaftsteam ist jetzt am Lichtenberger Leibniz-Institut der Durchbruch gelungen, mithilfe von Techniken zur künstlichen Befruchtung aus Eizellen des Südlichen Breitmaulnashorns und Spermien des Nördlichen Breitmaulnashorns Hybrid-Embryos zu gewinnen.

Dieser Forschungsansatz könnte das Überleben des Nördlichen Breitmaulnashorns sichern. Die Forscher haben so die erste Generation von Nashorn-Blastozysten, als Vorform von Embryos im Reagenzglas erzeugt. Zusätzlich etablierte das Team Stammzelllinien des Südlichen Breitmaulnashorns mit typischen Eigenschaften embryonaler Stammzellen. „Das sind die weltweit ersten im Reagenzglas – in vitro – produzierten Nashornembryos. Werden sie in eine Leihmutter implantiert, ist die Chance, dass sich eine Trächtigkeit entwickelt, sehr hoch“, sagt Thomas Hildebrandt, Leiter der Abteilung Reproduktionsmanagement am Leibniz-Institut.

Eizellen gewinnen

Um das Nördliche Breitmaulnashorn tatsächlich zu retten, werden im nächsten Schritt den noch zwei verbleibenden Nashornkühen in einem speziellen Verfahren weitere Eizellen entnommen. Sie könnten dann auch als Leihmütter für die heranwachsende Population dienen. Im Gegensatz zu den Nördlichen Breitmaulnashörnern existieren von der südlichen Art heute noch rund 21.000 Tiere in Südafrika. Mithilfe eines kürzlich patentierten – fast zwei Meter langen technischen Geräts – konnten die Wissenschaftler wiederholt und auf sichere Weise Eizellen von Nashörnern entnehmen. Mittlerweile wurden mehr als zwanzig Eizellenentnahmen an Südlichen Breitmaulnashörnern erfolgreich durchgeführt.

Da aber nur noch zwei Weibchen der gefährderten Art existieren und das verfügbare Sperma von nur vier männlichen Tieren stammt, würde auch dies künstliche Befruchtungstechniken alleine nicht ausreichen, um eine sich selbst erhaltende Population von Nördlichen Breitmaulnashörnern mit der notwendigen genetischen Vielfalt zu züchten.

Deshalb arbeitet man nun an einem Ansatz mittels Stammzelltechnologie. „Unser Ziel ist es, in Zukunft Keimzellen zu entwickeln, die aus Körperzellen von mehreren Nördlichen Breitmaulnashörnern entnommen wurden, um sie zu Eizellen und Spermien umzuwandeln“, erklärt Sebastian Diecke, Stammzellenexperte am Berliner Max-Delbrück-Centrum. Die Kombination aus Stammzellenforschung und der jetzt entwickelten künstlichen Befruchtungstechnologie könnte dann sogar als Blaupause dienen, um auch andere hochgefährdete Tierarten zu retten.

Mit Vorbildcharakter

„Wir erleben gerade die Entwicklung einer Methode, die dabei helfen kann, dem negativen Einfluss der Menschen auf die Natur etwas entgegenzusetzen. Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung, die wir bisher von Privatleuten für unser Rennen gegen die Zeit erhalten haben und hoffen, dass der jetzige Durchbruch mehr Menschen, und möglicherweise auch die öffentliche Hand, davon überzeugen wird, dass dieser Ansatz machbar und unterstützenswert ist“, erklärt Steven Seet, Sprecher des Leibniz-Instituts am Tierpark.

Text: Redaktion, Bild: IZW Berlin, 12.07.2018