Rollender Meilenstein gesetzt

Der erste Halbzug der neuen Baureihe 484 ist montiert

So soll sie aussehen, die Zukunft der S-Bahn für Berlin und Brandenburg. Der erste Halbzug der Baureihe 484 wurde Ende Juli der Öffentlichkeit vorgestellt. In gewohntem Gelb und Rot mit großem steilem Frontfenster hebt sich das neue Modell auch optisch schon etwas von deseinen Vorgängern ab. Auch von innen können sich die vier Wagen sehen lassen: Die blau-schwarzen Sitze, Haltestangen und Wandverkleidungen sind montiert, der Bodenbelag liegt, 90 Kilometer Kabel wurden verlegt. Auffällig im neuen Zug sind insbesondere die großen Panoramafenster und die großzügigen Stellflächen für Kinderwagen und Fahrräder. Für Rollstuhlfahrer wird es auch einen speziellen Bereich in unmittelbarer Nähe zum Fahrer.

Noch fehlende Funktion

Noch kann der neue Zug aus eigener Kraft nicht fahren. Deshalb wird er auch an den Stadler-Standort nach Velten überführt, wo die Inbetriebsetzung das Fahrzeug zum Leben erwecken wird. Dort wird die für alle Funktionen erforderliche Software aufgespielt und im Anschluss jedes technische Gewerk geprüft: von der Nothaltfunktion über den Betrieb der Klimaanlage bis hin zum Test der dritten Schiene, denn die Stromübertragung erfolgt über eine seitliche, von unten bestrichene Stromschiene. „Für die  Berliner ist die S-Bahn ein tägliches, unverzichtbares Verkehrsmittel, das in der wiedervereinten Stadt eine zentrale Rolle spielt. Die neuen Halbzüge beschreiben die Zukunft und werden die Qualität und Sicherheit der S-Bahn erhöhen und sie in das 21. Jahrhundert führen. Ich freue mich, dass wir eine klare Perspektive haben, die heute sichtbar geworden ist“, sagte Bürgermeister Michale Müller bei der ersten Präsentation des neuen Halbzuges

Ein Projekt für Grünau

Die S-Bahn Berlin wird in die neuen Fahrzeuge und die notwendige Anpassung der Werkstatt in Grünau rund 900 Millionen Euro investieren. 106 Züge, bestehend aus 382 Wagen bestellt hat die S-Bahn nun bestellt. Die 85 Vier-Wagen-Einheiten und weitere 21 Zwei-Wagen-Einheiten sind allesamt für den Einsatz in den Teilnetzen Ring und Südost vorgesehen.

Ab dem 1. Janaur 2021 soll losgehen. „Dann kommen die ersten zehn Vorserienzüge auf der Linie S47 zwischen Südkreuz und Spindlersfeld zum Einsatz“, verspricht Peter Buchner, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin GmbH

Siemens liefert die wesentlichen elektrischen Komponenten, wie beispielsweise Antriebsstromrichter, Hilfsbetriebsumrichter, die Leittechnik des Fahrzeuges, Fahrgastinformationssysteme sowie die Drehgestelle und das Bremssystem. Stadler ist hauptsächlich für die mechanischen Komponenten, wie Wagenkasten, Innenausbau (Wände, Fußboden, Decken), Sitze, Türen, und die Klimaanlagen verantwortlich. Die Auslieferung der Hauptserie wird bis zum Jahr 2023 abgeschlossen sein.

„Jetzt wird zunächst einmal die erste S-Bahn in das Siemens-Prüfcenter für Schienenfahrzeuge nach Wegberg-Wildenrath gebracht. Hier werden wir den Zug unter Realbedingungen und simulierten Extrembedingungen mit statischen oder dynamischen Tests auf Herz und Nieren prüfen und Fahrten im Rahmen der Zulassung absolvieren“, erläutert Müslüm Yakisan, Leiter der S-Bahn- und Regionalverkehrszüge von Siemens die nächsten Projrktschritte.

Text: Stefan Bartylla, Bilder: S-Bahn Berlin