Leihräder überrollen Mitte

Bezirksbürgermeister will Zusatzgebühren einführen.

Wer durch Mitte fährt oder läuft, entdeckt sie mittlerweile an jeder Ecke. Leihräder verschiedener Marken, in Grün-silber, blau oder gelb. Bislang ist das Auf- und Abstellen der günstigen Vehikel im Bezirk kostenlos. Doch das könnte sich bald ändern, zumindest wenn es nach Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) geht. „Wir wollen für jedes Leihrad eine Sondernutzungsgebühr erheben“, erklärte er seine Pläne für die Räder. Dadurch soll die Zahl der auf Gehwegen abgestellten Räder wieder deutlich reduziert werden. In Berlin gibt es laut aktueller Schätzungen bis zu 20.000 Leihräder.

Neue Anbieter

Gerade vor zwei Wochen gesellten sich zwei neue Anbieter zu den sechs bereits bestehenden. Vor allem asiatische Firmen drängen nun auf den Markt – und die Berliner Straßen. Die anderen Räder kommen von deutschen, dänischen und amerikanischen Anbietern. Für von Dassel ist vor allem das willkürliche Abstellen auf Gehwegen und in Parks nicht länger haltbar. Immerhin sei der Straßenraum in Mitte dafür zu begrenzt. In Zukunft könnten also für jedes Rad drei bis zehn Euro verlangt werden. Auch für die immer beliebter werdenden Elektro-Roller der Anbieter Emmy und Coup könnten diese Gebühren dann fällig werden. Bei den Unternehmen stößt die Forderung des Grünen-Politikers auf wenig Verständnis. Sie sehen sich auf ihrem Weg, die „neue Mobilität“ im Bezirk zu fördern, eingeschränkt.

Parkplätze gefordert

Statt zusätzliche Abgaben zu fordern, so ihre Meinung, sollten mehr Parkplätze für Fahrräder bereitgestellt werden. Ohnehin sei es wichtiger das „Wildparken“ einzuschränken. Laut der Deutschen Bahn, die mit den Lidl-Bikes einer der größten Anbieter in Berlin ist, sei bereits ein Serviceteam an sechs Tagen in der Woche mit der Beseitigung von falsch parkenden Leihrädern beschäftigt. Der Senat gab an, einen entsprechenden Leitfaden an Anbieter und Bezirke bereits im März herausgegeben zu haben. Zudem falle bei vielen Anbietern bereits eine Sondernutzungsgebühr an. Die wird immer dann fällig, wenn mehr als vier Räder an einem Platz stehen. Stadträtin Sabine Weißler (Grüne) plädiert das Konzept von stationsgebundenen Systemen wie Nextbike zu fördern und voranzutreiben.

Berlinweite Kritik

Da es in Mitte die wohl meisten Leihräder gibt, wären eine Zusatzgebühr oder andere Änderungen wichtige Signale für ganz Berlin, heißt es aus vielen Bezirken. Unter anderem könnte sich der Neuköllner Bezirksbürgermeister Florian Hikel (SPD) eine solche Maßnahme vorstellen. Und in Friedrichshain-Kreuzberg wurde erst kürzlich das Ordnungsamt mit der Beseitigung einiger Räder, die einen Radweg blockierten, beauftragt.

Datum: 1. Juni 2018, Text und Bild: Katja Reichgardt