Jugendhilfe im Personalnotstand

Stellen sind nur schwer zu besetzen.

Die Zahlen des Statistischen Landesamtes zeigen es: Es gibt nicht wenige Familien in Treptow-Köpenick, in denen das Leben für Kinder und Jugendliche besonders problematisch ist. Vermüllte Haushalte, verwahrloste Wohnungen und überforderte Mütter oder Väter sind keine Einzelfälle – Gewalt und Prügel gehören zum Alltag vieler Kinder auch hier im Bezirk und oft bedeutet die Arbeit der Jugendschutzabteilung des Regionalen Sozialen Dienstes (RSD) im Bezirksamt die letzte Rettung, um einen geschützten Ort zu finden, damit Minderjährige hier sicher aufwachsen können.

Alarmierende Zahlen

Während im Jahr 2012 noch 661 Fälle dieser so genannten Kindeswohlgefährdungen in Treptow-Köpenick gezählt wurden, kam es in den darauf folgenden Jahren fast zu einer Verdoppelung dieser Fallzahlen. 1.160 Mal mussten die Mitarbeiter des bezirklichen Jugendschutzes im Jahr 2015 Maßnahmen ergreifen. Erst das Jahr 2016 brachte eine leichte Trendwende auf hohem Niveau: In 895 Fällen musste man damals von Amtsseite aus einschreiten, Hilfen anbieten und Sanktionen umsetzen, um Kinder im Bezirk vor Gewalt und Gesundheitsgefährdung zu schützen. In gleich 14 Fällen wurden Kinder aus den Familien herausgenommen und in Heimeinrichtungen untergebracht. Auch für die kommenden Jahre ist zu erwarten, dass die Zahlen keine echte Verbesserung dokumentieren werden. Zahlreiche Familien mit Kindern ziehen hierher – und in einigen dieser Haushalte sind die Verhältnisse durchaus prekär.

Amtlicher Notstand

Richtig alarmierend sind dazu die Stellungnahmen, die die grüne Abgeordnete Marianne Burkert-Eulitz von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf ihre Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus erhielt. Gerade mal 30 Mitarbeiter teilen sich nämlich die Arbeit zu den aktuell rund 2.400 Fällen, die im bezirklichen Jugendamt derzeit betreut werden – die Quote von dabei mehr als 80 Vorgängen pro Mitarbeiter ist damit ein trauriger Spitzenwert in Berlin.

„Die Personalsituation im Regionalen sozialen Dienst ist besorgniserregend“, räumt Jugendamtsleiterin Iris Hölling ein und ergänzt, „Die Abteilung befindet sich wegen der anhaltend unbesetzten Stellen und der Notwendigkeit, die zahlreichen neu eingestellten Mitarbeiter einzuarbeiten, im Notmodus“. Dies bedeute, dass bestimmte Leistungen nur eingeschränkt erbracht werden können. Der Krisendienst Kinderschutz im Jugendamt überprüfe dennoch jede eingehende Gefährdungsmeldung und leite entsprechende Maßnahmen ein, beruhigt sie ein wenig.

Mehr Personal

Abhilfe könne nur Personalaufstockung leisten. „Das Jugendamt bemüht sich mit allen Mitteln, Sozialarbeiter für den RSD zu gewinnen, und diese auch gut einzuarbeiten. Wir beteiligen uns an Jobbörsen, haben eine Dauerausschreibung, kooperieren mit Hochschulen und bilden Praktikanten aus“, erklärt Hölling. Wichtig sei vor allem, dass diese verantwortungsvolle Aufgabe besser bezahlt und wie in einigen anderen Bundesländern auch mit der höheren Entgeltgruppe vergütet wird, lautet dazu ihre Forderung.

 

Text und Foto: Stefan Bartylla